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Natur und so

Akelei: Narrenkappe, Elfenhandschuh, Venuswagen

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Foto: K. Küntzel

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In meinem alten Garten in Schleswig-Holstein wuchs Akelei, eine bezaubernde Pflanze, die sehr zart aussieht, aber enorm robust ist. Vor dem Umzug hatte ich ihre Samen gesammelt, um sie im neuen Garten in Bayern auszusäen. Das wäre allerdings gar nicht nötig gewesen, denn hier wächst sie bereits in Massen. Blau, Weiß, Rosa blühen die Glöckchen, schaukeln im Wind und locken Hummeln an. Der Blütenform verdankt sie ihre vielen Volksnamen wie Elfenhandschuh, Zigeunerglocke oder Narrenkappe.

Erst eine, dann viele

Foto: K. Küntzel

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Die Akelei (Aquilegia) ist eine Meisterin der Selbstaussaat. Hat sich die Pflanze erst einmal angesiedelt, verteilt sie ihre Samen – sicher ist sicher – auf drei unterschiedliche Arten. Verblüht sie, bildet sie sogenannte Balgfrüchte aus, die auf einem elastischen Stengel sitzen. Die Wände der Balgfrüchte reißen auf, wenn sie trocken genug sind und die Samen werden herausgeschleudert. Im Umkreis von mehreren Metern können sich dadurch neue Pflanzen entwickeln. Auch Tiere transportieren den Samen, wenn sie dicht an der Pflanze entlangstreifen. Die „borstige“ Balgfrucht verhakt sich kurzfristig in deren Fell und schleudert die Samen wie mit einem Katapult heraus, wenn sie sich wieder aus dem Tierhaar löst und am Stengel zurückschnellt. Eine weitere Portion Samen wird durch den Wind davongetragen. So kommt es, dass eine Akelei an einem Standort wächst, in deren näherem Umkreis keine weitere Pflanze dieser Art zu finden ist.

Foto: K. Küntzel

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Bei der vielen Akelei im neuen Garten hätte ich mir das mit den mitgebrachten Samen also echt schenken können. Im Gegenteil: Ich muss mich jetzt eher darum kümmern, die weitere Ausbreitung zu unterbinden, damit die anderen Pflanzen im Beet auch eine Chance haben, sich zu entwickeln. Das bedeutet, die Fruchtstände nach der Blüte zu kappen oder die Balgfrüchte vor dem Öffnen abzusammeln. Möchte vielleicht jemand Akelei-Samen?

Heil- und Giftpflanze

Die Akelei gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Sie ist seit dem Mittelalter in Gärten als Zierpflanze heimisch und wurde früher als Heilpflanze gegen Menstruationsbeschwerden, Fieber, Magenbeschwerden, Läuse, Gelbsucht, Skorbut, Gallenleiden und sogar Krebs eingesetzt. Sie sollte bei Potenzstörungen helfen (daher auch der Volksname Venuswagen, in der Schweiz auch Schlotterhose!) und böse Geister fernhalten. Tatsächlich sind sowohl die Blätter als auch die Samen giftig. Beim Gärtnern in einem Akelei-Feld solltet ihr deshalb besser Handschuhe tragen.

Autorin: Karolin Küntzel

 

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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