Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Das Wattenmeer von oben

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Foto: J. Prinz

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Vor ein paar Jahren, als ich noch in einem Nationalpark-Haus am Wattenmeer gearbeitet habe, steckte ich mitten in einem Kooperationsprojekt mit einem Kollegen, der Pilot für Sportflugzeuge war. Er flog mit jungen Leuten über die Region und zeigte ihnen, die Flugzeugtechnik – damit sie später Flugzeugteile bauen konnten. Und eines Tages fragte er aus heiterem Himmel: “Wollen Sie mal mitfliegen?” Hurra, dachte ich, dann kann ich mir ja das Wattenmeer von oben angucken. Vielleicht hätte ich mir vorher besser das Flugzeug angeguckt, denn das war…echt klein.

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Ich meine: Guckt euch doch bloß mal das Cockpit an. Winzig! Wenn oben die Klappe zu war, kam man sich vor wie die Figur aus einem Überraschungsei in ihrer Plastikkapsel. Das dieses Ding überhaupt abheben sollte: zweifelhaft! Aber wo ich schon mal drin saß, wollte ich es dann auch wissen. Wie ist das in so einer kleinen Schüssel zu fliegen? Schafft sie es vom Boden hoch oder sind der Pilot und ich zu schwer? Das stelle man sich mal vor: Man steigt ein und der Pilot sagt wie im Film: “Sorry, aber uns beide trägt die Maschine nicht.”.

Foto: J. Prinz

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Zum Glück waren aber der Pilot und ich nicht zu schwer für das Flugzeug. Und es hob auch völlig problemlos vom Boden ab. Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie das früher auf dem Kinderkarussell war? Da gab es auch immer so Dinger, bei denen man einen Hebel ziehen konnte und dann hoben die ab. Genauso war es beim Flugzeug. Nur dass ich mich um keine Hebel oder Knöpfe kümmern musste und das Flugzeug auch nicht nach drei Runden zu Boden sank, egal wie oft man am Hebel zog. Ganz offensichtlich wusste auch der Pilot sehr genau, was er tat, so dass die Minigröße des Flugzeugs kein bisschen beängstigend war.

Foto: J. Prinz

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Und dann war es da: das Wattenmeer. Von oben. Die Ebbe hatte bereits eingesetzt und ich konnte den Meeresboden sehen. Dort wo das Wasser zurückgelaufen war, sah man die Abdrücke der Priele – wunderschön! Ich fand es unglaublich, wie ruhig und…ähem…unscheinbar das Watt von oben aussieht. Wenn ich nicht genau wüsste, wie viel Leben in Wirklichkeit darin wimmelt, könnte ich mich fast täuschen lassen.

Auf jeden Fall war die Erfahrung, mal nicht mit unserem Wattführer durchs Watt zu laufen (“Keine Sorge, hier fällt fast keiner in den Schlick!”), sondern darüber zu fliegen wirklich prägend. Ich habe gelernt, dass Miniflugzeuge zwar seeehr langsam, aber ganz sicher fliegen. Und mir wurde klar, dass man vielleicht viel mehr rumerzählen müsste, was so alles im Wattboden lebt. Sonst denkt noch jemand, das Watt sei…unscheinbar.

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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