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Natur und so

Der Specht in der Wärmedämmung

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Foto: pixabay.com

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Vor ein paar Tagen sah ich einen Bericht über die energetische Sanierung von Häusern. Hört sich langweilig an? War es auch – bis die Sprache auf den Specht kam. Hatte ich den Beitrag vorher nur noch mit halbem Auge und Ohr verfolgt, war ich nun schlagartig wach. Die Rede war von Spechten, die es sich in der Wärmedämmung von Häusern gemütlich machen. Das konnte doch nicht sein, oder? Ganz klar, der Sache musste ich nachgehen.

Fassadenspechte

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Was unterscheidet einen morschen Baum von einer Styropordämmung, die mit Rauhputz versehen ist? Nicht viel, wenn es nach den Spechten geht. Sie hämmern ihre Höhlen am liebsten in morsche Bäume. Welche sich dafür eignen, finden sie mit einem Klopftest heraus. Hört sich hohl an? Prima! Habt ihr schon mal gegen eine styroporgedämmte Fassade geklopft? Klingt ebenfalls hohl. Damit hören die Ähnlichkeiten aber nicht auf. Denn der raue Putz gibt dem Specht an der Wand ebenso viel Halt wie die Rinde eines Baumes und ist er mit seinem Schnabel erst einmal durch den harten Putz gestoßen, trifft er dahinter auf schön weiches Material, ähnlich wie bei dem faulen Baum. Ideale Bedingungen für ihn, um Schlaf- und Bruthöhlen anzulegen, was er dann auch munter tut.

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Seine Löcher pickt er vorzugsweise im Bereich der Hausecken, vermutlich, weil die senkrechte Linie die meiste Ähnlichkeit mit einem aufrecht stehenden Baum aufweist. So ein Specht kann eben auch nicht ganz aus seiner Haut. Das Phänomen scheint übrigens inzwischen so weit verbreitet zu sein, dass die schlauen Vögel, die sich auf diese Weise einen neuen Lebensraum in der Stadt erschließen, bereits Fassadenspechte genannt werden. Vielleicht verfasse ich bei Gelegenheit mal einen Lexikoneintrag zu dieser neuen Gattung.

Löcher stopfen

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Dass der Specht sich in der Dämmung einrichtet, darf, wenn es nach dem Hausbesitzer geht, nicht sein. Durch das Loch in der Fassade dringt Feuchtigkeit ein, die die Dämmung mit der Zeit unwirksam macht. Auch Schimmelbildung kann die Folge sein. Das Loch muss also so schnell wie möglich zu. Einmal kurz spachteln und die Sache ist erledigt, könnte man denken. So einfach ist es aber nicht, denn der Specht ist fleißig und klopft im Handumdrehen eine neue Höhle. Ein Stückchen mehr nach links oder doch lieber weiter oben? So eine Fassade ist groß und der Vogel hat genügend Ausweichmöglichkeiten. Wer nicht jeden Tag aufs Neue spachteln möchte, muss sich etwas anderes einfallen lassen. Oder die Spechtschaden-Hotline in Berlin anrufen. Die gibt es tatsächlich! Auch im Internet kursieren verschiedene Tipps, wie man den dämmschädigenden Untermieter vertreibt. So wird der Einsatz von Rabenattrappen und Vogelsilhouetten vorgeschlagen, die Befestigung von spiegelnden CDs und Flatterbändern empfohlen und geraten, mächtig Lärm zu veranstalten. Den Nachbarn wird’s freuen.

Falls ihr auf eurem Weg durch die Stadt also merkwürdige Dinge an Hauswänden entdeckt oder von oben Styropor auf euch herabrieselt, werft mal einen Blick hinauf. Vielleicht bezieht dort gerade ein Specht sein neues Domizil.

Autorin: Karolin Küntzel

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

4 Kommentare

  1. Die meisten guten Dinge kommen aus der Natur. Klasse Artikel

    rastlos.net

    • Hallo Peter, danke für das Lob oder sollte ich besser sagen: für die Lorbeeren? Die wären ja auch mal einen Beitrag wert.
      Viele Grüße
      Karolin

  2. Ich hatte das gleiche Problem mit den Spechten. Das ganze wurde mir aber erst bewusst, als ich den Wärmedämmnachweis erbracht habe! Da hatten die ganzen Probleme mit dem Energienachweis schlussendlich doch was Gutes.

    • Ja, es ist schon erstaunlich, wie sich die Tiere einen neuen Lebensraum erobern, wenn ihnen die ursprünglichen Nist- und Brutmöglichkeiten abhanden kommen.

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