Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Die Larven eines Dickmaulrüsslers

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Foto: H. Küntzel

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Beim Umtopfen der Erdbeeren machte ich eine merkwürdige Entdeckung. In der alten Erde wanden sich mehrere weiße Larven. Nicht besonders groß und deshalb auch nicht sonderlich furchterregend, dafür in großer Anzahl. Ich kenne mich mit Larven nicht gut aus und hatte deshalb keine Vorstellung, was aus den weißen „Würmern“ einmal werden sollte. Eins habe ich inzwischen aber gelernt: Nicht alles, was sich im Garten so eingräbt, sattfrisst und an der Unterseite von Blättern hockt, will ich dort auch haben. Also habe ich ein paar Gefangene gemacht (wie leben eigentlich Menschen ohne Becherlupe, geht das?) und mich an der Bestimmung versucht.

Insekt – wie ist dein Name?

Foto: K. Küntzel

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Die gefundenen Larven waren maximal einen Zentimeter lang, hatten eine cremeweiße Farbe und einen braunen Kopf. Mit diesen Hinweisen habe ich mich auf die Suche in Bestimmungsbüchern und im Internet gemacht. Und dort fand ich recht schnell eine Antwort – wenn auch eine, die mir nicht gefiel. Was ich ausgegraben hatte, waren die Larven eines Dickmaulrüsslers (Otiorhynchus), eines Schädlings. Oh, nein! Die im Boden lebenden Larven fressen ab dem Zeitpunkt ihres Schlüpfens die Wurzeln ihrer Wirtspflanzen. Das können Begonien, Primeln oder wie in meinem Fall auch Erdbeeren sein. Zuerst sind die Feinwurzeln dran, dann, wenn die Larve fetter und der Hunger größer wird, kommen die Hauptwurzeln an die Reihe. So kommt es, dass eine Pflanze, die ganz in Ordnung schien, plötzlich stirbt, obwohl äußerlich gar nichts zu sehen war. Das will ich nun gar nicht.

Wenn der Käfer fertig ist

Bevor die Larven zu Käfern werden und weiteren Schaden anrichten, entsorge ich sie lieber, und zwar samt befallener Erde. Wer weiß, ob sich nicht noch viel mehr Larven in dem Topf tummeln, als ich ausfindig machen konnte. Denn auch der später geschlüpfte Käfer frisst sich weiter durch den Garten. Zu erkennen ist das an dem für ihn typischen halbrunden „Buchtenfraß“. Er knabbert an Rhododendron, Kirschlorbeer, Buchsbaum, Rosen, Stauden aller Art, Clematis, Engelstrompeten und weiteren Pflanzen mit harten Blättern – ganz gleich, ob sie im Beet oder im Kübel wachsen. Falls ihr bei euren Pflanzen Schäden entdeckt, legt ihr euch am Besten in der Dämmerung auf die Lauer und haltet nach einem ca. 1,5 Zentimeter großen, länglichen, dunklen Käfer mit rüsselförmigem Kopf Ausschau. Solltet ihr welche entdeckt, sammelt sie ab (fliegen kann der Dickmaulrüssler nicht). Entweder schüttelt ihr sie nachts aus der Pflanze, an der sie gerade schmausen oder ihr stellt ihnen einen strohgefüllten umgedrehten Blumentopf zur Verfügung. Dorthin ziehen sie sich bei Tagesanbruch zurück und ihr habt gleich mehrere auf einem Haufen. Und dann nichts wie weg damit. Ich werde jetzt jedenfalls meinen Rhododendron und die anderen Gewächse mit Argusaugen beobachten. Nicht, dass auch noch in anderen Töpfen oder in der Gartenerde Larven auf ihr Comeback als Käfer warten.

Autorin: Karolin Küntzel

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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