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Natur und so

Die Zahnformel der Säugetiere

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Foto: pixabay.com

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Neulich fragte mich eine Kollegin nach der Zahnformel der Säugetiere. (“Meine Tochter muss das in der Schule wissen.”) Da fiel mir wieder ein, dass ich davon ja auch schon mal gehört hatte. Einer meiner Lieblingskurse im Studium war nämlich der “Schädelkurs”, der nur halb so makaber war, wie er sich anhört. Doch tatsächlich ist die Anordnung der Zähne im Kiefer ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für Säugetierschädel. Stellung und Anzahl lassen sich in Zahlen ausdrücken und das hilft bei der Orientierung. Mathe im Biokurs? Schauen wir uns das doch mal etwas genauer an.

Jeder, der mich kennt, liegt jetzt vor Lachen unter dem Tisch. Wenn mein Studium damals von meinen Mathekenntnissen abgehangen hätte … du liebe Zeit. Man kommt zwar nicht ganz darum herum, aber zum Glück darf man dann zur Belohnung auch irgendwann mal einem Tier ins Maul schauen.

Foto: pixabay.com

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Verschiedene Zähne

Wenn es um die Zahnformel geht, muss man sich zunächst klar machen, dass die Zähne der Säugetiere nicht alle gleich aussehen. Schaut einfach mal in euren eigenen Mund (ja, auch wir Menschen sind “Säugetiere”): Da gibt es Schneidezähne, Eckzähne und Backenzähne und alle haben eine andere Form.

Insgesamt gibt es bei den Säugetieren sogar vier verschiedene Zahnformen und wenn man die nun besonders hochgestochen, also wissenschaftlich, benennen will, sagt man: Säugetiere haben Incisivi (Einzahl Incisivus, Schneidezähne), Canini (Einzahl Caninus, Eckzähne), Prämolare (Vormahlzähne) und Molare (Mahlzähne). Oder kurz: I, C, P, M.

Foto: J. Prinz

Foto: J. Prinz

Die Position im Kiefer

Damit ein Zoologe sich merken kann, wo bei einer Katze oder einer Kuh die jeweiligen Zähne sitzen, schreibt er sich die Zahnformel in einem Kürzel auf. (Zoologinnen machen das übrigens genauso. Nur falls jemand fragt.) Die Zahnformel gilt dabei jeweils nur für eine Kieferhälfte. Man notiert also zum Beispiel, welche Zähne auf der rechten Seite des Oberkiefers sitzen und dann, welche auf der Unterseite wachsen. Das genügt, denn der Kiefer der Säugetiere ist ja auf beiden Seiten gleich. Der Schädel auf dem Foto stammt übrigens weder von einer Katze noch von einer Kuh, sondern von einem Schwein.

Bild: schulbilder.org/J. Prinz

Bild: schulbilder.org/J. Prinz

Die Zahnformel des Schweins

Zum Erstellen der Zahnformel geht man systematisch vor und zählt die Zähne jeder Kieferseite von vorne nach hinten. Das Schwein hat auf jeder Kieferseite oben und unten jeweils 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 4 Prämolare und 3 Molare. Schriftlich hält man die Zahlen für Ober- und Unterkiefer getrennt fest. Man schreibt die Zahlen für die Oberkieferzähne nebeneinander, unterstreicht und schreibt die Unterkieferzähne genau darunter. Fertig.

Achtung Ausnahmen!

Nicht bei allen Tieren ist die Zahnformel so regelmäßig. Rinder, Schafe oder Ziegen haben zum Beispiel oben keine Schneidezähne. Dann steht in der Zahnformel an der entsprechenden Stelle eine Null. Oder die Zahl der Prämolaren oder Molaren unterscheidet sich oben und unten.

Auch beim Milchgebiss ist Vieles anders. Dann haben die Tiere meistens weniger Zähne. Bei unserem Schweinebeispiel fällt euch vielleicht auf, dass die Zahnformel nicht so ganz zu dem Foto des Schädels passt. Der hat nämlich zu wenig Zähne. Das ist schon richtig so, allerdings muss man wissen, dass bei vielen Schweinen ein Prämolar fehlt. Das ist einfach eine Veranlagung. Und so weiter. Ausnahmen gibt es also viele.

Geht doch mal los und guckt der nächsten Kuh, die ihr trefft ins Maul. Viel Spaß!

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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