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Natur und so

Ein Käfer mit platten Hinterbeinen?

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Foto: J. Prinz

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Schon wieder ein Balkonfund! Ganz offensichtlich kreucht und fleucht es auf meinem Balkon. Erst neulich bewegte sich etwas am Dach, in der Nähe einer Nische und war dann auf einmal verschwunden. Jetzt könnte ich schwören, dass auf meinem Balkon eine Hauswinkelspinne wohnt. Aber keine Sorge, falls ihr Spinnen nicht mögt: um die geht es heute nicht. Sondern um das hier: Nach dem Florfliegenkind im Sommer, saß nun ein genauso seltsames Tier auf meiner Fensterscheibe. Ziemlich “bunt” und mit auffällig platten Hinterbeinen. Vergesst das mit dem Käfer mal ganz schnell wieder. Das hübsche Tier ist nämlich keiner. Und ich sollte meine Titel besser wählen.

Foto: J. Prinz

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Doch was ist das jetzt, was ich da entdeckt habe? Hier mal eine kleine Bestimmungshilfe: wenn ein Tier aussieht wie ein Käfer, aber ein Dreieck auf dem Rücken hat, ist es meistens eine Wanze. Schaut mal auf die Stelle kurz hinter dem Brustpanzer. Dort wo die Flügel festgewachsen sind, sieht man ein kleines braunes Dreieck, dessen Spitze zum Hinterleib zeigt. Daran erkennt ihr eine Wanze. Diese hier hat außerdem noch sehr auffällige Beine: die Hinterbeine sind an einer Stelle dicker. Damit und mit den weißen Zeichnungen an den Seiten ist klar: ich habe eine Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis), auch Amerikanische Zapfenwanze genannt, gefunden.

Foto: J. Prinz

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Dieses Tier ist besonders spannend, weil wir an ihm ganz aktuell mitverfolgen können, wie sich Tierarten verbreiten. Ursprünglich stammt die Kiefernwanze nämlich aus Nordamerika. Und von dort verbreitet sie sich gerade rasant aus.

Da Kiefernwanzen, wie der Name schon sagt, ganz gerne an Kiefern sitzen (und dort an den Zapfen fressen), werden sie mit Holzlieferungen verbreitet. In Europa wurden sie das erste Mal im Jahr 1999 gesehen: in Italien. Bereits wenige Jahre später war sie in Deutschland angekommen. Seit etwa zehn Jahren finden wir also immer mal Amerikanische Kiefernwanzen auf unseren Balkonen.

Und ist das jetzt gefährlich? Nein. Zumindest macht die Art hier (im Gegegensatz zu ihrer Heimat, wo sie als Schädling gilt) keine Probleme. Und solange sie nicht an meine mühevoll gezüchteten Tomaten geht, ist sie herzlich willkommen. Ich hoffe, sie versteht sich mit der Spinne.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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