Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Gibt es im Herbst mehr Spinnennetze als sonst?

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Foto: pixabay.com

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Schon auf unserer letzten Wanderung an der Peene, bei der wir den Weidenbohrer fanden, ist es mir aufgefallen: Überall hingen Spinnennetze und ständig bin ich gegen eines gelaufen. Auch im Garten fallen mir die seidigen Fäden nun verstärkt auf. Sie spannen sich zwischen den Streben des Geländers und in meinen Gemüsepflanzen. Wieso gibt es im Herbst so viele Spinnennetze? Gibt es denn mehr Spinnen?

Die Größe macht’s

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Für Menschen, die Spinnen grässlich finden, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute lautet: Es gibt im sogenannten Altweibersommer nicht mehr Spinnen als sonst. Die Schlechte ist: Dafür sind die Spinnen größer. Bevor ihr jetzt Iiiiihhhhh! schreit – das hat zumindest den Vorteil, dass ihr sie eher seht und ihnen ausweichen könnt. Die Größe der Spinne hat Einfluss auf die Größe ihres Netzes. Kleine Spinnen – kleine Netze, große Spinnen – große Netze. Das ist ein Grund, warum uns die Netze im Herbst besonders auffallen.

Die Witterung macht’s

Der zweite Grund für die scheinbare Vermehrung der Netze ist die Herbstwetterlage. Auf relativ warme Tage folgen kühle Nächte. Das Resultat dieser Temperaturunterschiede ist Tau. Er schlägt sich auch in den Netzen der Spinnen nieder und macht die filigranen Gebilde sichtbar. Netze, die ich vorher nie bemerkt hätte, z.B. zwischen Gräsern in Bodennähe, glitzern auf einmal, als wären sie von Elfenhand gesponnen.

Die Spinne macht’s

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Das alles erklärt aber noch nicht, warum ich mitten auf dem Waldweg oder sogar auf freiem Feld plötzlich Spinnenfäden im Gesicht habe. Ein Netz hätte ich doch sicher rechtzeitig erkannt, oder? Das kommt auf die Spinne an. Sogenannte Radnetzspinnen (Araneoidea) wie die Kreuzspinne bauen ihre „Fliegenfänger“ vertikal. Einen frequentierten Weg zu überspannen, hätte für sie nur Nachteile, deshalb finden sich ihre Gespinste überwiegend abseits der breiten Pfade. Pilzsammler, die durchs Unterholz streifen, können ein Lied davon singen. Deckennetzspinnen (Linyphiidae) weben horizontal. Ihr Netz hängt wie eine Decke oder ein Baldachin zwischen Gräsern in der Wiese. Zu tief für mein Gesicht. Und trotzdem sind es hauptsächlich die Tiere dieser Spinnenfamilie, die für die Fäden in meinem Gesicht verantwortlich sind. Wie das?

Die Fortbewegung macht’s

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Spinnen können fliegen. Nicht so wie ein Vogel und nicht zielgerichtet (sonst würden sie vielleicht einen Bogen um mich machen), aber über weite Strecken und in großer Höhe. Flügel brauchen sie dazu nicht, ihnen reicht ein Faden. Den produzieren sie mit ihrem Hinterleib. Ist der Flugfaden lang genug, nimmt ihn der Wind mit und trägt die Spinne an seinem Ende fort. Viele Hundert Kilometer auf einer Flughöhe von mehreren Tausend Metern können die Spinnen auf diese Art zurücklegen und sich dadurch neue Lebensräume erobern. Die Dauer ihres Fluges wie auch die Reisehöhe steuern sie über die Länge ihres Flugfadens. Blöd nur, wenn ich dann im Weg stehe und ihrer Reise vorerst ein Ende setze.

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

4 Kommentare

  1. Mir machen die Spinnennetze an sich nichts aus, es ist halt nur nervig, wenn man frisch geduscht das Haus verlässt und in so ein Netz läuft. Das Entfernen ist schwieriger als in eines hinein zu laufen ^^

    Gefühlt fallen einem im Spätsommer mehr Spinnennetze auf, aber wenn es nur ein “falscher” Eindruck ist, dann passt es ja. Spinnen sind durchaus interessante Tiere, auch wenn sie viele gar nicht mögen.

    Guter Artikel in meinen Augen.

  2. Guten morgen Karolin :)

    Seit Tagen (wir sind gerade umgezogen und hatten noch nie zuvor so eine große Terrasse) bemerke ich zauberhafte Spinnenetze. Überall. Am *offenen Pavillon* (nur Gestänge – als Rankhilfe) und zwischen einzelenen Blumen, Vom Sonnenschrirm zum Dach usw.
    Vor allem morgens, wenn die Tautropfen träge daran hängen – bin ich ganz verzaubert. Diese Kunstvollen Gebilde sind wunderschön.
    Danke für den interessanten und sehr erhellenden Artikel. Vor allem die Tatsache, dass Spinnen im Wind *fliegen* können, hat meine stummen Fragen, die mich seit Tagen beschäftigen, beantwortet.

    Herzliche Grüsse aus dem Hegau – am Bodensee – sendet

    Simone

    • Liebe Simone, wir hatten seit Wochen eine Spinne vor dem Küchenfenster. Es war toll zu beobachten, wie sie Beute macht. Seit dem letzten Sturm ist sie fort, davongetragen vom Wnd. Das aber wohl eher unfreiwillig. :-))
      Liebe Grüße Karolin

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