Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Ich und die Wäschespinne

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Foto: pixabay.com

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Heute ist der 1. April, der Tag an dem man Leute reinlegt und hofft, dass sie einem nicht auf die Schliche kommen. Ich bin immer froh, wenn ich dabei vergessen werde, denn für Aprilscherze bin ich echt überhaupt nicht zu haben. Einmal hat es mich aber doch erwischt. Zwar nicht im April, dafür aber gleich mit dem vollen Programm. Die folgende Geschichte ist ein „Running Gag“ in meinem Freundeskreis. Und sie ist wirklich genau so passiert.

Ich sitze mit fünf weiteren Biologen beim Workshop zusammen und ein Kollege bringt uns ein schnurloses Telefon an den Tisch. „Kennt sich hier jemand mit Spinnen aus?“, fragt er und hält uns den Hörer entgegen. Offenbar braucht jemand eine Spezial-Auskunft. Aus unserer Gruppe bin ich die Einzige, die in letzter Zeit irgendwas mit Spinnen zu tun gehabt hat (Museumsführung durch eine Spinnen-Ausstellung – besser als nix), also gehe ich ran. Das Gespräch zwischen mir (Ich) und dem Mann am Telefon (MaT) verlief etwa so:

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Ich: „Guten Tag.“

MaT: „Grüß Gott, Auer hier. Kennen Sie sich aus mit Spinnen?“

Ich: „Naja, das kommt darauf an, was Sie wissen wollen.“

MaT: „Wir haben da eine ziemlich große Spinne im Garten…“

Ich „Hmhmm…?“

MaT: „…und ich weiß nicht, ob die beißt oder was?“

Ich : „Was heißt groß?“

[Jetzt habe ich auch das Interesse einiger Biologen-Kollegen.]

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MaT: „Also meine Frau sagt, es wäre eine Wäschespinne.“

Ich: „Aha. [hörbare Denkpause, dann habe ich es kapiert] Also ich verstehe Sie schon richtig, dass der Hinterleib einen Durchmesser von etwa zwei, drei Metern hat?“

[Jetzt habe ich das Interesse aller Biologen-Kollegen. Die gucken, als wäre ich bekloppt. Jeder weiß doch, dass es so große Spinnen nicht gibt.]

MaT: „Was? Zwei, drei Meter? Nein, so groß ist die nicht.“

Ich: „Nein? Ist es eher ein kleineres Modell?“

[Die Biologen starren noch immer.]

MaT: „Also was ist denn jetzt, können die auch beißen?“

[Was mache ich bloß mit dem? Egal. Eine Frage nach der anderen. Erstmal antworten ohne zu lachen.]

Ich: „Na, ich glaube, beißen können sie nicht, aber ich wäre sehr vorsichtig, die schnappen manchmal zu: Wenn Sie die falsche Stelle anfassen, dann klappt praktisch das gesamte Tier zusammen. Und da können Sie sich schon verletzen.“

MaT: „Was? Wenn man das Tier falsch anfasst, dann (zitiert überdeutlich was ich gerade gesagt habe) klappt…das…gesamte…Tier…zusammen?!“

[Die Biologen haben es mittlerweile auch kapiert und kichern. Aber leise. Ich gestikuliere Keine-Ahnung-was-das-soll in den Raum und merke, wie mein Zwerchfell vibriert.]

Ich (reiße mich zusammen): „Ja, ja. Können Sie denn Spinnfäden sehen? Die müssten so von Arm zu Arm reichen.“

MaT: „Ja. Das schaut aus wie ein Spinnennetz, das stimmt.“

Ich (leichter Anflug eines Lachflashs – es geht einfach nicht anders): „Hm. Da wäre ich sehr vorsichtig. Wenn Sie da erstmal drin hängen, ist es schwer wieder heraus zu kommen.“

MaT (ebenfalls leichtes Lachzittern in der Stimme – wenigstens geht es nicht nur mir so): „Also aus einer Wäschespinne kommt man nicht mehr heraus.

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Ich (betont ernsthaft): „Also. Ich würde das ernstnehmen. Und ich würde mir sogar überlegen, ob ich da nicht einen großen Zaun drum rum baue. Haben Sie kleine Kinder?“

MaT: „Nein, noch nicht.“

Ich (rede und lache gleichzeitig): „Naja, sie bleiben auch sehr ortstreu. Sie wandern nicht viel…“ (Abbruch wegen zuviel Lachen.)

MaT (kriegt gerade noch einen Satz raus): „Die Wäschespinnen?“

[Ich kann nicht mehr! Mein Gesprächspartner auch nicht. Die Biologen sowieso, dabei haben die ja bloß eine Hälfte des Gesprächs mitgekriegt. Gelächter auf allen Seiten!]

MaT (lacht): „Ich kann mich jetzt nicht mehr ernst halten. Ich geb‘ auf. Sie können jetzt zur Belohnung, dass Sie so clever waren noch Grüße durchgeben, Sie sind nämlich hier gerade in Bayern drei.“

Volltreffer! „Karl Auer“ vom bayerischen Radio hat mich erwischt. Oder ich ihn. Die Geschichte mit der Wäschespinne wurde im Laufe der Jahre wieder und wieder nacherzählt. Irgendwann hat dann eine liebe Freundin dafür gesorgt, dass mir der Radiosender (etwa zehn Jahre später!), eine Tonaufnahme des Gesprächs geschickt hat. Danke, du Liebe!

Also denkt dran: Heute ist der 1. April. Geht ruhig ran, wenn das Telefon klingelt, aber rechnet damit, dass es vielleicht das Radio ist!

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

2 Kommentare

  1. ….Ich klappe auch gleich zusammen 🙂
    Ein frohes Osterfest und ganz viel Sonnenschein,
    Sven

    • Danke. Dir auch schöne Ostern. Das mit dem Sonnenschein sehe ich zwar noch nicht, aber das kann ja noch kommen.
      Viele Grüße
      Johanna

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