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Natur und so

Ist die Nergi der neue Obst-Trend?

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Foto: J. Prinz

Foto: J. Prinz

Sonntagsfrühstück mit der Familie und auf dem Tisch steht ein Obstteller. Alles dabei: Ananas, Nektarinen und dann so kleine grüne Dinger? Ist das überhaupt Obst? „Was ist denn das?“, frage ich. Die Armen! Auf einmal darf keiner mehr den Teller anfassen. „Ich muss erst noch ein Foto…Finger weg…für den Blog“.

Wenigstens weiß ich, dass Karolin das ganz genauso macht. Die steht ja sogar im Morgennebel im Garten und fotografiert getigerte Schnecken. Als ich mit dem Umarrangieren der Ananas fertig bin (die wirft Schatten!), frage ich nochmal und die Antwort überrascht: Das was ich da gerade fotografiert habe, heißt Nergi. Ich bin platt. Und neugierig.

Foto: J. Prinz

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Markenobst

Mit dem Obst kam ein grünes Faltblatt aus dem Supermarkt, das mich noch neugieriger macht. Die Nergi sei eine „Kiwibeere“ zum snacken, steht dort und hinter „Nergi“ steht ein kleines R in einem Kringel – das Zeichen für „Registered Trade Mark“. Die Nergi ist also eine registrierte Warenmarke. Was soll das? Hat da einer Obst erfunden? Ist das schon wieder so eine neue Züchtung? Also was jetzt? Ich recherchiere über das Supermarkt-Faltblatt hinaus.

Von innen: Kiwi-look-alike

Sie sieht aus wie eine Stachelbeere, aber wenn man sie aufschneidet, denkt man, man hätte eine Kiwi vor sich: Grünes Fruchtfleisch, schwarze Kerne. Eine Mini-Kiwi also? Genau. Sie heißt auch Sibirische Kiwi oder eben Kiwibeere. Die Menschen in Ostasien kennen sie schon lange, doch bisher hat sie ihren Weg noch nicht zu uns gefunden, weil sie so empfindlich ist. Die Marken-Nergis in unseren Supermärkten sind offenbar eine neue Züchtung aus Neuseeland, die robuster ist. Deshalb auch das “R”.

Ist sie mit der Kiwi verwandt?

Die Ähnlichkeit mit der Kiwi ist nicht zufällig. Tatsächlich gehören beide Pflanzen zur Gattung der Strahlengriffel. Diese Pflanzen sind Lianen, die sich an Bäumen hoch hangeln und mit diesen verwachsen und ihre deutschen Namen sind einfach super. Die zahme Nergi heißt in Wirklichkeit „Scharfzähniger Strahlengriffel“, was ich großartig finde. Mit dem Namen würde die im Supermarkt garantiert keiner kaufen. Der Name der Kiwi hingegen deutet mit „Chinesischer Strahlengriffel“ eher auf das Herkunftsgebiet hin und klingt weitaus harmloser.

Foto: J. Prinz

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Und wie schmeckt sie?

Die Nergis auf unserem Frühstückstisch durften erst gegessen werden, nachdem ich meine Fotos hatte, aber danach waren sich alle einig: Schmeckt wie Kiwi. Ich bin ja mal gespannt, ob sich das durchsetzt: Mini-Obst für Unterwegs. Der Vorteil zur Kiwi ist, dass man die Schale der Nergi mitessen kann, aber trotzdem… Ich fand schon diese Vermarktung von Mini-Tomaten als Unterwegs-Essen blöd. Was meint ihr? Wird die Nergi der neue Trend? Oder kaufen die Leute einfach weiter Kiwi?

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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