Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Redewendung: Jemandem einen Bärendienst erweisen

| Keine Kommentare

Foto: Pixabay.com

Foto: Pixabay.com

Letztens war das Kind am Wandertag im Tierpark und hat dort auch die Braunbären besucht. Später erzählte es mir von einem Rehkuss beim Füttern des Tieres, berichtete von einem Wombat, der sich auf meine Nachfrage hin als Bisamratte entpuppte und – ich weiß nicht wie – kamen wir auch auf die Redewendung mit dem Bärendienst zu sprechen. So nennt man es, wenn aus einer guten Absicht heraus, etwas Schlimmes oder Nachteiliges für jemand anderen geschieht.

Aber was hat der Bär damit zu tun?

Ein fabelhafter Herr

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Jean de La Fontaine (1621–1695) war ein französischer Schriftsteller, der unzählige Fabeln schrieb und zwölf Bücher verfasste, in denen Fabeln in Versen erzählt wurden. Eine davon ist die Geschichte „Der Bär und der Gartenfreund“ (Band 8, Fabel 10). Und damit kommen wir der Sache langsam näher. In dieser Fabel geht es nämlich um einen Bären (war ja klar!) und um einen alten Gärtner (aha!).

Beide sind sehr einsam. Der Bär hockt alleine auf einem Berg, der Gärtner hat nur seine Blumen zum Reden und beide haben das echt satt. So zumindest könnte man die Stimmungslage von Mensch und Tier salopp zusammenfassen. Deshalb machen Sie sich eines Tages unabhängig voneinander auf die Suche nach einem Freund – und finden einander. Aus anfänglicher Furcht wird Freundschaft und sie leben einträchtig miteinander unter einem Dach. Der alte Mann pflegt die Blumen, der Bär geht auf die Jagd und verscheucht die lästigen Fliegen, damit sein neuer Freund gut schlafen kann.

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Als Fliegenjäger macht er sich denn auch ganz gut, bis eines Tages eine darunter ist, die sich partout nicht verjagen lässt. Da wird der Bär sehr wütend:

“Wart nur!” so ruft er aus. “Dich werde ich schon kriegen!”
Gesagt, getan: Seht da, der Fliegenmeister schafft
einen Pflasterstein herbei und schleudert voller Kraft,
ihn nach des Greises Haupt, die Fliege zu verjagen.“

Das geht nicht gut aus, denn der Bär kann besser werfen als denken. Unbeabsichtigt erschlägt er seinen Freund mit dem Stein. La Fontaines lapidare Zusammenfassung der Fabel lautet: “Nichts bringt so viel Gefahr uns wie ein dummer Freund; weit besser ist ein kluger Feind.”

Dem ist eigentlich nichts hinzufügen, außer: Passt bloß auf, wenn euch jemand einen Bärendienst erweisen will!

Die vollständige Fabel könnt ihr hier nachlesen: http://www.lafontaine.net/lesFables/fableEtr.php?id=620

Autorin: Karolin Küntzel

Print Friendly

Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Letzte Artikel von Karolin Küntzel (Alle anzeigen)

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.