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Natur und so

Saatkrähe: riesige Schwärme

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Foto: pixabay.com

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Letzten Sommer saß ich noch gemütlich am Kölner Rheinufer und schaute zu, wie die Papageien zu ihren Schlafbäumen pendelten. Das Ganze war begleitet von sehr viel „Oh, schön!“ und „Ah, wie hübsch“. In den letzten Wochen konnte ich in Lübeck ein ganz ähnliches Schauspiel beobachten, aber diesmal wird es eher begleitet von „Huch, wie gruselig“ und „Ups, wie seltsam“. Über mein Wohnzimmer hinweg, fliegen nämlich im Moment jeden Abend riesengroße Krähenschwärme. Alle auf dem Weg zum Schlafbaum. Warum ist dieses Verhalten bei Papageien niedlich und bei Krähen gruselig, frage ich mich. Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

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Zunächst mal: die Saatkrähen machen hier erstmal gar nichts Ungewöhnliches. Die tun, was Krähen eben tun. Abends versammeln sie sich an einem sicheren Ort, einem hohen Baum zum Beispiel, und verbringen dort die Nacht. Für die Krähen hat das viele Vorteile, unter anderem, dass sie im Schutze des Schwarms nicht so schnell gefressen werden. Anwohner finden das meist nicht so toll, denn der Lärm um so einen Krähenbaum ist schon deutlich vorhanden. Aber wir Menschen machen es ja so ähnlich („Gute Nacht, John-Boy“, „Gute Nacht Mary-Ellen“, „Gute Nacht Zimmerpflanze“) und da stört uns das nicht.

 

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Das gruselige an so einem Krähenschwarm ist vielleicht die Farbe der Vögel und dass sie – wie ich finde – noch viel später in der Dämmerung fliegen, als die Papageien. Über meinem Wohnzimmer bewegen sich selbst in der Fast-Dunkelheit noch dunkle Schatten. Das ist gruselig, allerdings nur für mich. Die Krähen finden es bestimmt ganz normal. Faszinierend finde ich es hingegen vorher, wenn der ganze Himmel von Vögeln bedeckt ist. Dann starre ich nach oben und frage mich: „Wo ist dieser Schwarm bloß zuende?“ Irgendwo habe ich gelesen, dass Krähen abends gerne neben ihren Freunden sitzen. Wie finden die sich bloß?

 

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Auf einer Lübecker Baustelle gab es eine ganze Weile das Phänomen, dass früh morgens die Krähen von ihren Schlafbäumen sprangen, herüberflatterten und sich dann seelenruhig auf die halbfertigen Gebäude setzten. Von dort aus hatten sie einen guten Überblick über einen großen Parkplatz neben einer Bäckerei. Genau dort entlang zog es häufig die (menschlichen) Partygänger der letzten Nacht. Ab und zu landete auch mal ein halb aufgegessener Burger am Rand – ein gefundenes Fressen im wahrsten Sinne.

Ich war da mal, auf diesem Parkplatz. Nicht nach einer Party allerdings, sondern auf dem Weg zu irgendwas Offiziellem. Und da saßen sie, die Krähen und schauten mich an. Die sind nicht mal dem Auto richtig ausgewichen, sondern liefen sehr langsam ein Stück zur Seite! Da fiel mir für einen Moment wieder ein, wie schlau Krähen doch sind. Ich wette, die haben gerade die Übernahme der Weltherrschaft geplant und ich bin aus Versehen mitten hinein reingeraten. So jedenfalls haben die geguckt.

Jedenfalls finde ich Krähen jetzt immer noch toll. Mal sehen, wann sie in den nächsten Tagen so auftauchen.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

Ein Kommentar

  1. Daneben ist besonders im Fruhjahr ein leises, gurrendes Schwatzen in die langeren Krachzlaute eingebettet. Saatkrahe eingefuhrt und genoss dort lange Zeit sogar Schutzstatus; heute werden die dortigen Bestande jedoch wieder energisch dezimiert.

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