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Natur und so

Scheidenmuscheln – scharfer Einwanderer

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Foto: Arne Hückelheim via Wikipedia

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An manchen Nord- und Ostseestränden sollte man sich hüten, barfuß zu gehen. Grund dafür sind die stellenweise zahlreich vorkommenden Scheiden- oder Schwertmuscheln, die ähnlich aussehen wie ein Rasiermesser und leider auch genauso scharf sind. Wenn man erstmal mit blutigem Fuß im Flachwasser steht, tröstet es wenig zu wissen, dass die Muscheln bei uns eigentlich gar nichts zu suchen haben.

Wo bist du denn her?

Tatsache ist, dass die Muschel mit den langgestreckten Klappen nicht bei uns heimisch war. Zumindest nicht bis 1979. Damals entdeckte man die ersten Exemplare in der deutschen Bucht. Die „Einwanderer“ stammen ursprünglich aus den Küstengewässern des Nordatlantiks, waren also weit gereist – und das auch noch als blinde Passagiere. Vermutet wird, dass Larven im Ballastwasser von Schiffen den Ozean überquerten und es sich dann – nach Ablassen des Wassers aus den Tanks – in der Nordsee gemütlich machten. Anscheinend fanden sie dort gute Bedingungen vor, sonst hätten sie sich nicht weiter ausgebreitet. Zuerst Richtung niederländisches Wattenmeer, wo sie bereits drei Jahre nach ihrer Ankunft in der „alten Welt „nachgewiesen wurden. Von Schiermonnikoog brauchte sie gerade einmal zwei Jahre bis nach Texel, der westlichsten Insel der Niederlande. 1985 war sie schließlich im Deltagebiet in der Provinz Zeeland südlich von Rotterdam angekommen. Die Muschel expandierte auch nach Norden und Osten und ist heute von Südnorwegen bis zum Ärmelkanal und auch in der westlichen Ostsee nachweisbar.

Wie es sich als Scheidenmuschel lebt

Mit dem Namen Scheidenmuschel (Solenoidea) bezeichnet man eine Familie mit rund 100 Arten, darunter die eigeschleppte Amerikanische Schwertmuschel. Sie ist auch unter den Namen Gerade Scheidenmuschel bekannt. Andere Namen für die Muschelart sind Messermuschel, Rasiermesser, Messerscheide. Zu finden sind sie in Prielen im Watt und im sandigen Boden knapp hinter der Brandungslinie. Dort graben sie sich mit ihrem Grabefuß (Hinterteil nach oben) senkrecht ein. Die so entstehenden Wohnröhren können bis zu einem Meter tief sein. In ihr bewegt sich die Muschel auf und ab. Meistens befindet sie sich allerdings dicht unter der Oberfläche, womit wir wieder bei dem verletzten Fuß sind. Sie ernährt sich von Plankton, das sie aus dem Wasser filtert.

Wie es sich mit Scheidenmuscheln lebt

In Spanien und anderen südeuropäischen Ländern gelten Scheidenmuscheln als Delikatesse. Sie zu fangen ist allerdings nicht einfach, da sie bei Gefahr blitzschnell in ihrer Wohnröhre in die Tiefe flitzen. Ein Trick hilft. Rund um die Wohnröhre wird Salz gestreut und mit ein bisschen Wasser zur Sole vermischt. Daraufhin taucht die Muschel aus der Röhre auf. Wer dann flink ist, kann sie schnappen und herausziehen. Sie kann nach gründlicher Reinigung (damit der Sand nicht im Essen landet) gekocht, gebraten oder gedünstet werden. Na dann, Guten Appetit!

Foto: K. Küntzel

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Autorin: Karolin Küntzel

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Ein Kommentar

  1. Messermuscheln zu Kochen ist eine schlechte Idee. Sie werden zäh und ungeniessbar. Gebraten sind sie dagegen eine echte Delikatesse und schmecken in etwa so wie gebratener (frischer) Tintenfisch.
    Vor dem Braten muss man sie öffnen und reinigen und sie werden natürlich ohne Schale gebraten.

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