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Fischotter fürchten Flussbrücken

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Foto: pixabay.com

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Über Fischotter und ihr Image hatte ich schon vor einiger Zeit berichtet. Heute steht das bedrohte Tier wieder im Mittelpunkt, diesmal mit einer merkwürdigen Verhaltensweise:

Otterwechsel 18 – 8 Uhr. So oder ähnlich lauten die Schilder, die hauptsächlich im Nordosten Deutschlands Autofahrer zu erhöhter Vorsicht mahnen. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass diese Hinweise immer nur in der Nähe von Brücken stehen? Warum ist das so?

Schwimmen – aber nicht überall

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Fischotter gelten als Landraubtiere, fühlen sich aber auch im Wasser pudelwohl. Das dichte Fell hält warm und trocken, die Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen sorgen für reichlich Vortrieb und die Nasenlöcher und die Ohren kann das Tier im Wasser verschließen. Es taucht prima und kann viel länger die Luft anhalten als ich. Bis zu fünf Minuten hält es der Fischotter ohne zu atmen aus und schwimmt dabei weite Strecken unter, aber auch über Wasser. Das macht er gerne – mit einer Ausnahme. Unter Brücken schwimmt er nicht hindurch. Keinesfalls! Dort verlässt er den Fluss und setzt seine Wanderung zu Fuß fort. Erst hinter der Brücke taucht er wieder ins Wasser ab. Wenn er dann noch lebt.

Tödliche Kreuzung

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Die Überquerung von Brücken und damit in der Regel von Straßen mit Autoverkehr endet für die meisten Fischotter tödlich. Drei Viertel von ihnen sterben im Straßenverkehr, oft im Kreuzungsbereich von Gewässern und Straßen. Grund dafür ist ihre Furcht, Brücken schwimmend zu queren. Forscher vermuten, dass veränderte Strömungsbedingungen, Licht- und Akustikverhältnisse unter Brücken der Grund dafür sind. Anscheinend fühlen sich die Otter dem besser gewachsen, wenn sie laufen. Fakt ist nämlich auch, dass sie unter Brücken hindurchgehen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

Auf dem Laufsteg

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Sind Brücken so gebaut, dass die Pfeiler nicht direkt mit dem Wasser abschließen, und es einen mitgeführten Landstreifen gibt, nutzen die Tiere diesen Weg. Ob der Landstreifen aus Rasen, Steinen oder Beton besteht, spielt dabei keine Rolle. Sie unterqueren die Brücke und wechseln nicht über die Straße. Erst wenn diese Möglichkeit fehlt, weichen sie auf die Straße aus. Mehrere Studien haben sich inzwischen mit der Untersuchung von Fischotterhabitaten beschäftigt. Viele Brücken wurden dabei gezählt und besichtigt und immer wurde festgestellt, dass ein Großteil dieser Durchlässe nicht fischottergerecht ist. Das lässt sich ändern. Sogenannte Bermen, das sind überflutungssichere Laufstege unter Brücken, können nachgerüstet werden. Dort, wo das bereits geschehen ist, nutzen die Tiere nachweislich den Steg und kreuzen so sicher die Brücke. Achtet mal darauf, wenn ihr das nächste Mal eine Brücke über einen Fluss seht. Ist ihre Bauweise für Otter geeignet oder nicht?

Die Zusammenfassungen zweier Studien sind hier nachzulesen:

  • www.hs-owl.de/fb9/fileadmin/archiv/FB9/Landschaftsoekologie/bilder_2/Poster_Bachelorarbeit_Riekschnitz.pdf
  • www.duh.de/uploads/media/06_Exposee-Olsthoorn-otterbruecken-MV_1.DUH-Fischotter-Tagung_180413.pdf

Einen ausführlichen Bericht für das Gebiet Oberfranken gibt es hier:

  • www.dbu.de/OPAC/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-25151.pdf
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Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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