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Natur und so

Warum wechseln Chamäleons ihre Farbe?

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Foto: pixabay.com

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Ich stehe mit einem Grüppchen lustiger Leute vor einer hohen Wand und wir beobachten sehr interessiert, wie einer von uns daran hochklettert. „Ich klettere wie ein Chamäleon“, sagt er. „Langsam.“ Er muss es ja wissen. Er hatte nämlich mal eins zu Hause. Außerdem funktioniert die Strategie und er kommt heil oben an. „Chamäleons fallen ja auch nie runter“, sage ich (*). Und dann fällt mir ein, dass ich das Thema ja mal hier mit in den Blog nehmen könnte. Chamäleons können nämlich richtig coole Dinge: die Farbe wechseln zum Beispiel. Doch wieso machen sie das überhaupt?

Unser Kletterer hat jedenfalls nicht die Farbe gewechselt – obwohl mehrere von uns vorgeschlagen haben, dass er doch die Farbe der Wand annehmen könne. „Wenn schon, denn schon“ und so. Aber wahrscheinlich schien ihm ein Farbwechsel gerade nicht passend. Denn auch ein Chamäleon wechselt die Farbe meist nur in einem der folgenden Fälle:

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„Mir ist warm. Oder kalt.“

Kennt ihr noch den Spruch „schwarz zieht die Sonne an“? Das war früher immer die Begründung, warum man im Sommer kein schwarz tragen soll: weil es zu warm ist.

Beim Chamäleon ist das tatsächlich so. Zumindest werden die Tiere dunkler, wenn sie sich aufwärmen wollen – zum Beispiel früh morgens. Die dunkle Farbe fängt genug Sonne ein. Wenn es ihnen dann aber zu warm wird, werden sie heller, weil das die Sonne besser wieder abstrahlt. Schlau, schlau.

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„Hallo, Liebes!“

Um einen Partner zu beeindrucken, kann man schon mal tief in den Farbtopf greifen. Wie soll der andere denn sonst wissen, dass man Interesse hat? Stellt es euch ungefähr so vor: Da arbeitet ihr schon eine Weile mit eurem biederen Kollegen zusammen und auf einmal wird der rot oder blau an den Armen und seine Haut bekommt auffällige Muster. Dann ist entweder gerade Kölner Karneval oder der Kollege ist ein an der Balz interessiertes Chamäleon. (Oder ein Fan von Tattoos.)

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„Willst du Haue?!“

Am schnellsten geht der Farbwechsel der Chamäleons, wenn sie im Kampfmodus sind. Dann signalisieren sie ihrem Gegner, dass sie es ernst meinen, indem sie zum Teil recht schrille Farben annehmen. Ganz so als ob sie sagen wollten: „Hier! Ich bluffe nicht. Ich bin bunt!“ Andersherum kann die Farbe im laufenden Kampf auch blitzschnell zurückgeändert werden und sagt dann: „Ok, ok. Du hast gewonnen. Guck‘, ich bin blasser als du!

Zur Tarnung?

Es stimmt natürlich, dass ein grünes Chamäleon zwischen grünen Blättern weniger auffällt. Doch die Tarnung des Chamäleons fußt nicht nur auf seiner Farbe, sondern auch darauf, dass es häufig einen komischen Kamm auf dem Kopf hat (der seine Körperform unregelmäßiger macht) und dass es beim Laufen hin und her schwankt – wie ein Blatt im Wind eben. (Ihr kennt das ja schon vom Wandelnden Blatt.)

*Dass Chamäleons nie runterfallen stimmt übrigens nicht. Wenn sie sich wirklich erschrecken, lassen sie sich fallen und stellen sich tot. Ich glaube, wir sind alle froh, dass unser Wandkletterer kein echtes Chamäleon war…

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

4 Kommentare

  1. “Aha, jetzt zieht das Geklettere nicht nur in unserem Schreibbüro ein, sondern auch hier im Blog!” Das war das, was ich zuerst dachte, als ich diesen Beitrag las. Aber dann musste ich ständig grinsen und kichern, weil du alles so witzig beschrieben hast. Danke für das Lesevergnügen, liebe Johanna! Liebe Grüße von Barbara vom Nachbarschreibtisch

    • Danke, Barbara! Grüße zurück! Ihr seid sehr tapfer… schließlich stelle ich mich nicht tot, wenn ich irgendwo runterfalle und mich erschrecke. Stattdessen erzähle ich euch das immer sehr ausführlich und halte euch vom Arbeiten ab. Ich bin halt eindeutig kein Chamäleon…
      J.

  2. Liebe Johanna,
    danke für diesen tollen Beitrag! Meine Tochter ist ganz außer sich! Ihr Klassen-Maskottchen ist das Chamäleon “Konrad” (Der ist natürlich “nur” eine Handpuppe). Jetzt kann meine kleine Schlaubergerin am Montag erstmal mit Expertenwissen glänzen ;-)
    Ganz liebe Grüße aus Bielefeld,
    Claudia

    • Gern geschehen! Ich hoffe, Konrad hält sich immer gut fest beim Klettern und zettelt keinen Streit an, indem er sich mal eben bunt färbt.
      Viele Grüße
      Johanna

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