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5 Fakten über Flechten

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Foto: J. Prinz

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Flechten hat wahrscheinlich jeder von uns schon mal gesehen. Das sind diese krustigen Dinger, die man an Steinen oder auf Gehwegplatten findet. Mal rund, mal unregelmäßig, aber immer in den schönsten Farben. Manchmal verwechselt man sie mit plattgetretenem Kaugummi und manchmal fallen sie durch schrille Farben auf. So unbedeutend sie auch scheinen mögen: hinter den flachen Gebilden steckt viel mehr als man denkt. Hier sind fünf Fakten über Flechten, die dieses Lebewesen besonders machen.

 

Foto: J. Prinz

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1. Flechten sind keine Pflanzen

Sie sind Lebensgemeinschaften zwischen Pilzen und Algen. Oder zwischen Pilzen und Bakterien. Der Pilz bildet ein Geflecht, in das der jeweilige Partner eingebettet wird. Je nach Flechtenart sind die beiden fest verbunden oder nur lose miteinander verzahnt.

Der Pilzpartner innerhalb der Flechte gehört fast immer zu den Schlauchpilzen, nur in zwei von hundert Fällen ist er ein Ständerpilz. Der Pflanzenpartner ist meist eine einzellige Grünalge. Bei Flechten, deren Symbiont ein Bakterienpartner ist, gehört dieser zu den Cyanobakterien. (Das sind Bakterien, die wie Pflanzen Photosynthese betreiben können. Darum und wegen ihrer hellblauen Farbe, hießen sie früher „Blaualgen“.)

 

Flechten4 - Kopie

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2. Leben unter Extrembedingungen

Weltweit gibt es etwa 25.000 Flechtenarten. Sie kommen in allen Lebensräumen vor und können Temperaturen von -40°C bis + 80°C überstehen. In einigen nördlichen Gebieten, wo große Rentierherden über das Land ziehen, wachsen Flechten auch dort noch mit sichtbaren „Blättern“, wo andere Pflanzen nur spärlich gedeihen. Gut für die Rentiere, die fressen nämlich fast nichts anderes.

 

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3. Pilz im Vorteil

Der Pilz hat in dieser Lebensgemeinschaft eindeutig die Hosen an. Er kontrolliert, wie oft sich der Algenpartner teilt und erhält regelmäßig einen Teil der Nährstoffe, die die Alge aus Sonnenlicht herstellt. Doch auch der Pflanzenpartner hat etwas von der ungewöhnlichen WG, denn das Pilzgeflecht verlängert bei Trockenheit die Zeit bis zur Austrocknung und schützt vor den UV-Strahlen der Sonne. Gemeinsam erobern die beiden Lebensräume, die sie alleine nicht besiedeln könnten.

 

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4. Wasser aus der Umgebung

Flechten haben keine Wurzeln. Sie können kein Wasser aus dem Boden aufnehmen und damit ihren Wasserhaushalt selbst regulieren. Auch einen Verdunstungsschutz gibt es nicht. Flechten sind abhängig von der Feuchtigkeit der Umgebung und können sich wie ein Schwamm vollsaugen. In Gegenden mit hoher Luftfeuchtigkeit reicht die Feuchtigkeit der Luft aus, damit richtige „Baumbärte“ entstehen.

 

5. Überlebenskünstler

Wird es zu trocken, können Flechten in einen inaktiven Zustand fallen. Dabei trocknen sie fast vollständig aus und sind dann in der Lage extreme Temperaturen und eine intensive UV-Strahlung auszuhalten. Einige Arten bilden sogar eine lichtundurchlässige Schutzschicht. In Extremfällen kann diese Ruhestarre mehrere Jahrzehnte andauern. Der Stoffwechsel wird später wieder durch Regen, Tau oder eine höhere Luftfeuchtigkeit aktiviert.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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