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Natur und so

Biberpelz und Bibergeil

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Foto: pixabay.com

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Ich hatte es bereits in meinem Blog-Beitrag über die Biber im Pasinger Stadtwald angekündigt und löse nun mein Versprechen ein. Heute erfahrt ihr etwas mehr über die größten Nagetiere Europas. Was ist schwerer: Biber oder Reh? Wie viele Zehen und Haare hat das Tier, wozu dient die Kelle und was, bitte schön, ist Bibergeil?

Hände, Füße und eine Kelle

Biber (Castoridae) haben an jeder Pfote fünf Zehen, die mit kräftigen Krallen ausgestattet sind. Die Vorderpfoten benutzt das Tier als Greifwerkzeuge, die Hinterbeine dienen hauptsächlich der Fortbewegung und haben deshalb Schwimmhäute zwischen den Zehen. An der zweiten Hinterzehe befindet sich eine Doppelkralle, die wie ein Kamm zur Fellpflege eingesetzt wird. Den breiten, platten Schwanz, die Kelle, verwendet der Biber als Steuerung, wenn er schwimmt und taucht. Außerdem dient der unbehaarte Schwanz der Temperaturregulation und als Fettdepot.

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Aufgrund der Kelle und den Schwimmhäuten ordnete man den Biber lange Zeit den Fischen zu. Praktischerweise durfte er deshalb früher während der Fastenzeit verspeist werden (siehe dazu auch den Beitrag: Fischotter: gegessen, gejagt, geschützt). Biber gab es gesotten und gebraten, mit Speck und Trüffeln und als besonders lecker galt der Schwanz. Ich konnte es kaum glauben, aber im weltweiten Netz finden sich doch tatsächlich einige Rezepte für die Zubereitung von Bibern (Nachkochen verboten!!!). Sie lesen sich zum Teil nicht viel anders als die für einen Rinder- oder Kaninchenschmorbraten. Von der Größe her liegt der Biber zwischen beiden.

Ganz dicht: Biberpelz

Biber werden ungefähr einen Meter groß und können schwerer als ein Reh sein. Bis zu 35 Kilogramm bringt ein ausgewachsener kanadischer Biber auf die Waage. Europäische Biber, die bei uns heimische Art, sind etwas kleiner und leichter. Ihr Fell ist braun und sehr dicht. Rund 23.000 Haare wachsen auf einem Quadratzentimeter. Da können wir Menschen mit gerade einmal 600 Haaren pro Quadratzentimeter nicht mithalten und tragen deshalb im Winter gerne Mäntel und Mützen. Früher waren diese unter Umständen aus Biberfell. Der warme Pelz war begehrt und noch bis ins 20. Jahrhundert hinein ein anerkanntes Zahlungsmittel in Nordamerika. Für ein Biberfell bekam man im Jahr 1863 beispielsweise 18 Bleikugeln, einen Hornkamm, ein Tuch oder ein Maß Rum. Um eine Männerhose zu tauschen, waren insgesamt neun Felle nötig. Jagen darf man das Tier hierzulande nicht mehr, denn der europäische Biber ist inzwischen geschützt. Tausche Biberfell gegen Hose klappt also nicht mehr.

Ganz aromatisch: Bibergeil

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Neben dem Pelz war (und ist) Bibergeil für die Industrie interessant. Das fetthaltige Sekret wird in den Drüsensäcken (zwischen Anus und Geschlechtsteil) gebildet und vom Biber sowohl für die Fellpflege als auch zur Markierung des Reviers verwendet. Bibergeil findet sich aber auch in Parfums und in Lebensmitteln als Aromastoff. Solltet ihr auf einer Packung den Inhaltsstoff Castoreum gelistet sehen, handelt es sich um Bibergeil. Parfums soll das Sekret eine aphrodisische Note geben, als Zusatzstoff in Nahrungsmitteln (in den USA zugelassen) findet es sich dort als „natürliches Aroma“ in den Geschmacksrichtungen Vanille, Erdbeere und Himbeere. Ein bisschen eklig ist das schon, oder? Deshalb: Augen auf beim Einkauf, den Erdbeerjoghurt lieber selbst machen und die Biber schön in Ruhe lassen!

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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