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Natur und so

Diese Löcher im Sandboden

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Foto: J. Prinz

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Über diesen Blogbeitrag bin ich im wahrsten Sinne des Wortes beinahe gestolpert. Mitten auf dem Weg fand ich diese kleinen Löcher im Boden und auch wenn es heiß war und ich dringend weiter wollte, war ich neugierig. Welches Tier gräbt bitte solche Höhlen? Oder ist es etwa gar kein Tier, sondern bloß die Spur eines Nordic Walking-Kurses? Nö! Des Rätsels Lösung kam auch gleich schon angeflattert und landete neben dem Loch.

Doch bevor ihr euch jetzt freut: es kam nicht das Tier angeflogen, das das Loch gebaut hatte. Doch wer da in schrillen Farben – rot und grün – angeflogen kam, war immerhin ein Hinweis auf den wahren Verursacher.

Foto: J. Prinz

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Während ich nämlich, trotz Sonne, stur neben den Löchern im Sandboden ausharrte, kam eine Sand-Goldwespe angeschwirrt.

Ihre bunten Farben (rot-grün-rot) machen sie relativ unverwechselbar. Und für mich war sie die Bestätigung meines ersten Gedankens: die Löcher stammen vermutlich von einer Grabwespe.

Gold- und Grabwespen sind unterschiedliche Tiere. Aber sie hängen ziemlich eng zusammen und das kommt so:

 

Foto: J. Prinz

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Für die Eiablage braucht die Grabwespe solche Sandböden, wie den, über den ich gerade gestolpert war. Dort hinein gräbt sie eine unterridische Röhre. (Stellt euch das mal vor: so ein kleines Tier, das Erdhäufchen für Erdhäufchen da raustragen muss!)

In die Niströhre kommen die Eier und für die späteren Larven auch gleich noch ein Nahrungsvorrat. Der ist ziemlich fies: Die Grabwespe lähmt Käfer oder Bienen und legt sie für ihren Nachwuchs bereit. Schlüpft die Larve aus dem Ei, hat sie gleich einen „frischen“ Happen vor Augen.

Und bevor ihr jetzt losschreit „Iiih, wie fies!“, hört euch lieber noch schnell an, was die grün-rote Sand-Goldwespe macht. Die wartet nämlich, bis die Grabwespe kurz weg ist und stürmt dann die verlassene Niströhre. Ihre eigenen Eier legt sie einfach zu den Eiern der Grabwespe und dann verschwindet sie schnell wieder. Die Sand-Goldwespe ist also so eine Art Kuckuck unter den Insekten. Sie ist ein Parasit, dessen Larven den Nachwuchs ihres Wirtes töten und später aus der Röhre schlüpfen. Schaut euch beim nächsten Spaziergang gut um. Vielleicht findet ihr ja auch ein paar Nisthöhlen.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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