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Ölkäfer – supergiftig

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Foto: J. Klement

“Wir haben einen Käfer vom Parkplatz gerettet”, erzählt die Kollegin. “Einfach in die Hand genommen und dann beiseite gesetzt. Und dann haben wir im Internet geguckt, was das eigentlich war und festgestellt, dass der supergiftig war.” Der Rest der Runde guckt erschrocken, denn das wäre uns ganz genauso passiert. Den Ölkäfer hatten wir gar nicht als so supergiftig abgespeichert. Damit euch das in Zukunft nicht passiert, sind hier ein paar Fakten zum Ölkäfer. Das Wichtigste vorweg: Fasst den bloß nicht an!

Foto: pixabay.com

Was den Ölkäfer so giftig macht, ist ein Abwehrgift, das in seiner Hämolymphe (dem “Insektenblut”) enthalten ist. Fühlt der Käfer sich bedroht, scheidet er die Flüssigkeit an den Gelenken seiner Beine aus. Weil die kleinen Tropfen an Öl erinnern, bekam der Käfer den Namen “Ölkäfer”. Und für einen Käfer ist es auch ganz schön sinnvoll einen Abwehrmechanismus zu haben: kein Tier will schließlich etwas fressen, dass einen erschreckt oder komisch schmeckt. Die Hämolymphe des Ölkäfers enthält ein Gift, das Cantharidin, das ihn vor allem vor anderen Insekten schützt.

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Einige Vögel und auch manche Insekten sind immun gegen das Gift. Doch für Menschen kann der Kontakt mit der Abwehrflüssigkeit des Käfers schlimme Folgen haben. Bereits auf der Haut kann es zu fiesen Reizungen führen. Gelangt es in die Blutbahn, kann der Kontakt mit einem Ölkäfer im Extremfall tödlich enden. Doch sind die Ölkäfer dann nicht auch füreinander giftig?

 

Foto: pixabay.com

Nein, im Gegenteil. Das Gift ist sogar bei der Fortpflanzung nützlich. Denn die männlichen Käfer geben einen Teil ihres Giftes an die Weibchen (die aussehen wie aufgeblähte, schwarze Käfer)  ab. Legen die dann Eier, ist das Gift dort eingelagert. Auch die Larven und später die Käferpuppen enthalten Gift und werden deshalb von vielen Fressfeinden verschmäht. Übrigens: Auch der Mensch versuchte früher, das Gift eines bestimmten Ölkäfers für die Fortpflanzung zu nutzen.

“Spanische Fliege” ist nicht nur der Name einer Käferart, sondern auch die Bezeichnung für ein Aphrodisiakum, das es im Mittelalter gab und das aus ebendiesem Käfer hergestellt wurde. Doof nur, dass in zu hoher Dosierung Vergiftungserscheinungen auftraten. Deshalb: Wollt ihr jemanden beeindrucken – kauft besser Blumen. Und findet ihr mal einen Ölkäfer – nicht anfassen!

 

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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