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Redewendungen: Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!

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Ähnlich wie die Redewendung mit dem gebratenen Storch drückt der Ausspruch: „Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!“ ungläubiges Erstaunen und Entrüstung aus. Irgendetwas ist geschehen, was einen fassungslos macht oder sogar ärgert. Die meisten Menschen würden heutzutage wahrscheinlich eher sagen: „Das kann ja wohl nicht wahr sein!“, oder einfach nur „Boah!“, welches insbesondere eiligen und sonst eher wortkargen Typen entgegenkommen wird.

Und der Hund? Und die Pfanne? Woher stammen sie?

Till Eulenspiegel

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Die Redewendung geht auf eine Geschichte zurück, die von Till Eulenspiegel berichtet. Sie ist in dem 1510 publizierten Werk „Ein kurtzweilig lesen von Dil Ulenspiegel, geboren vß dem land zu Brunßwick, wie er sein leben volbracht hat“ als 45. Historie aufgeführt. Ihr Titel: Wie Eulenspiegel in Einbeck ein Brauergeselle wurde und einen Hund, der Hopf hieß, anstelle von Hopfen sott. Allein der Titel lässt nichts Gutes vermuten und allerlei Böses ahnen. Wer die Geschichten um den Schelm und Narren kennt, der angeblich im 14. Jahrhundert lebte (geboren 1300 in Kneitlingen am Elm geboren, gestorben 1350 in Mölln), kann vielleicht bereits erahnen, dass es sich dabei um einen der für Till Eulenspiegel typischen derben Streichen handeln muss. Der Narr war nicht grundsätzlich grausam, er nahm nur immer alles wörtlich. Und so landete der arme Hund in die Pfanne.

Ist der Brauer aus dem Haus, geht’s fürs Hundchen übel aus

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Die 45. Historie geht so: Einst wollte ein Brauer zu einer Hochzeit gehen und Till sollte zusammen mit der Magd derweil das Bier brauen. Insbesondere hatte er darauf zu achten, den Hopfen gut zu sieden, damit das Bier einen kräftigen Geschmack bekäme. Till und die Magd machten sich an die Arbeit, doch als es an der Zeit war, den Hopfen anzusetzen, ging die Magd lieber zum Tanz, nicht ohne den Gesellen anzuweisen, mit der Arbeit fortzufahren. Als das Wasser heiß war, nahm Till den großen Hund des Brauers, der unglücklicherweise Hopf hieß, und warf ihn in den Topf.

(Er) … ließ ihn tüchtig darin sieden, daß ihm Haut und Haar abgingen und das ganze Fleisch von den Knochen fiel. Als die Magd dachte, daß es Zeit sei, heimzugehen und der Hopfen genug gekocht sei, kam sie und wollte Eulenspiegel helfen. Sie sagte: »Sieh, mein lieber Bruder, der Hopfen hat genug gesiedet, laß ablaufen!« Als sie nun das Sieb versetzten und mit einer großen Kelle zu schöpfen begannen, da sagte die Magd: »Hast du auch Hopfen hinein getan? Ich merke noch nichts davon in meiner Kelle!« Eulenspiegel sprach: »Auf dem Grund wirst du ihn finden.« Die Magd fischte danach, bekam das Gerippe auf die Kelle und begann laut zu schreien: »Ei, behüte mich Gott, was hast du darein getan? Der Henker trinke das Bier!« Eulenspiegel sagte: »Wie mich unser Brauer geheißen hat, Hopf, unsern Hund.“… (Zitat aus: Projekt Gutenberg, Hermann Bote: Till Eulenspiegel – Kapitel 46)

Die Stelle beim Brauer war Till nach dieser Tat los. Geblieben ist die Redewendung, die als eine Art „Zusammenfassung“ der Geschichte, die Zeit überdauert hat.

Autorin: Karolin Küntzel

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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