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Natur und so

Scheinblüten: die Hortensie schummelt!

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Foto: J. Prinz

Vor ein paar Wochen im Supermarkt. Der Begleiter guckt irritiert, als ich, zusätzlich zur Schokolade, eine blaue Topfpflanze aus dem Laden schleppe. „Die ist für meinen Balkon“, sage ich und packe die Schokolade einhändig in meinen Rucksack. Vier Wochen später. Die Balkonpflanze ist mittlerweile eingegangen und ich bin mit demselben Menschen in einem Park unterwegs. Diesmal guckt er komisch, als ich mitten im Gespräch in ein Blumenbeet springe, um Fotos zu  machen. „Die sind für den Blog“, sage ich und hoffe, dass ich nicht erklären muss, warum ich nicht die Supermarkt-Pflanze fotografiere. Jedenfalls halte ich im Bild fest: die Hortensie schummelt!

Foto: J. Prinz

Ist euch mal aufgefallen, dass die Hortensien scheinbar immer „gerade erst“ angefangen haben zu blühen? Die haben immer so tolle große Blütendolden, an denen ein paar einzelne Blüten geöffnet sind. Lange Zeit dachte ich, dass ich ganz einfach den Zeitpunkt verpasst hätte, an dem alle Blüten offen sind. Doch dann stolperte ich bei der Arbeit über ein neues Kindersachbuch über eine Info, die ich zwar schon mal gehört, dann aber wieder vergessen hatte: Hortensien sind Meister der Täuschung.

Genau wie der Salbei wissen sie, dass sie Insekten anlocken müssen, die auf ihren Blüten landen. Anders kriegt die Hortensie ihren Pollen nämlich nicht zu einer anderen Hortensie rüber – außer mit dem Insektentaxi.

Foto: J. Prinz

Die Blüten der Hortensie sind allerdings so klein, dass sie neben den bunten Blüten der anderen Pflanzen einfach untergehen. Schaut euch mal die Mitte einer Hortensiendolde an. Diese winzig kleinen Blüten im Zentrum … das sind die echten Blüten. Die, die Pollen produzieren und fruchtbar sind.

Und dann schaut euch mal die großen Blüten am Doldenrand an. Die sehen toll aus, können aber so gut wie gar nichts. Ihr großes Talent ist „gut aussehen“, aber sie produzieren weder Nektar noch Pollen und sind unfruchtbar.

Die Scheinblüten der Hortensie sind einzig und allein dafür da, um Insekten in die Nähe der „echten“ Blüten zu locken. Die haben nämlich wirklich Nektar und sind für Insekten daher auch interessant. Das hätten die Bienen ohne die Scheinblüten nur niemals bemerkt. Wenn ihr also das nächste Mal eine Hortensie seht, die „gerade erst“ angefangen hat, zu blühen … lasst euch nicht täuschen. Die schummelt bloß.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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