Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Tierisch fluchen

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Foto: pixabay.com

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Schön ist es nicht und trotzdem fluchen wir alle ab und zu. Weil die Lieblingsschale auf den Fliesen zerschellt ist, der Autofahrer vor uns trödelt oder wir die Prüfung verpatzt haben. Soweit ganz normal, doch warum benutzen wir beim Fluchen so oft Tiernamen?

Ein Ausflug ins Tierreich

Blöde Hornochsen, doofe Hühner, dumme Kühe und Puten, sture Esel, schnatternde Gänse, eitle Pfaue, Rindviecher, Hunde, Schweine, Hammel, ja sogar Affen gehören zum Repertoire vieler Menschen. Was haben uns diese Tiere eigentlich getan, dass sie für Beleidigungen aller Art herhalten müssen?

Lieber Hund als Hyäne

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Beschimpfungen mit Tiernamen gibt es schon lange. So wird dem Beschimpften ein Stück seiner Menschlichkeit genommen und er bekommt tierische Verhaltensweisen, Eigenschaften oder auch nur das Aussehen des Tieres angedichtet. Dass die Tiere manchmal nicht einmal selbst die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften haben, tut dem Fluchen in ihrem Namen keinen Abbruch.

Gänse sind nicht eingebildet, Schweine keine unsauberen Tiere und Affen nämlich keineswegs blöd. Entstanden sind die tierischen Flüche vermutlich aufgrund der Nähe der Menschen zu ihren Haustieren.

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Seit der Mensch mit Tieren zusammenlebt, sind ihm ihre Verhaltensweisen vertraut und manchmal eben auch lästig. Wenn der Esel nicht zur Seite geht und stur im Weg stehen bleibt oder die Gänse so laut schnattern, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Da konnte es dann schon einmal geschehen, dass sich der Ärger über das Tier in einem Fluch Luft gemacht hat. Wahrscheinlich fluchen wir deshalb im Affekt auch seltener mit nicht heimischen Tiernamen wie Schildkröte, Känguru und Seelöwe.“(Auszug aus: Karolin Küntzel, Warum die Dinge sind, wie sie sind, Compact Verlag 2010)

Verflucht!

So verpönt, wie das Fluchen ist, erfüllt es doch eine Funktion. Es nimmt den Druck von der Seele, baut Stress ab und funktioniert sogar, wenn man alleine ist. Richtiggehend verflucht (im Sinne von: „Verflucht sollst du sein für alle Zeiten“) wird dabei allerdings selten jemand. Das lautstarke Schimpfen dient meistens lediglich dazu, Dampf abzulassen.

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Doch Vorsicht! Verflucht teuer kann es werden, wenn man den Falschen beleidigt und angezeigt wird. Dann kann die „Alte Sau“ schon mal 2500 Euro kosten. Billiger wird es mit „Dumme Kuh“ (bis 600 Euro) oder „Blödes Schwein“ (475 Euro). Einen Parkwächter „Nasenbär“ zu schimpfen ist mit 250 Euro Strafe dann fast schon günstig. Allerdings muss man im entscheidenden Augenblick darauf erst einmal kommen. Wer billig oder ungestraft fluchen möchte, sollte deshalb möglichst ausgefallene Tiernamen verwenden und eine höfliche Anrede benutzen. „Sie Flussbarsch!“ steht vermutlich noch in keinem Beleidigungs-Bußgeldkatalog, wird aber sicher günstiger sein als „Du Pavian!“.

Ich lasse es trotzdem nicht darauf ankommen, verkneife mir den Fluch (schon wegen des Kindes) und verwende das Geld lieber für Bücher und die eine oder andere Kugel Eis in meiner Lieblingseisdiele. Saulecker!

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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