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Die Blaue Wegwarte – Kaffee oder Burgfräulein

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Foto: J. Prinz

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Auf dem Weg zur Arbeit begegnet sie mir häufig. Selbst mit ihren blauen Blüten ist sie auf den ersten Blick ein wenig unscheinbar. Doch wenn man genauer hinguckt, stellt man fest: Die Blaue Wegwarte ist richtig hübsch. Und nicht nur das. Sie steckt voller toller Eigenschaften.

Die Blaue Wegwarte ist keine Pflanze, die hier aus Versehen eingeschleppt wurde. Im Gegenteil: Sie ist bei uns heimisch und hat ihren Weg als Einwanderin bis nach Afrika und Südamerika gefunden. Man findet sie meist am Rand von Spazierwegen oder – wie in meinem Fall – in diesen winzigen Blumenbeeten, die die Bäume am Straßenrand umgeben.

Gewächs des Jahres

Foto: J. Prinz

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Die Blaue Wegwarte heißt auch Zichorie, Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte. Wie das Gänseblümchen (aus dem man so schöne Blumenketten machen kann) oder die Kamille, gehört sie zu den Korbblütlern. Wegen ihrer verschiedenen Eigenschaften war sie gleich zweimal ein Gewächs des Jahres: einmal war sie „Gemüse des Jahres“ (2005), das andere Mal „Blume des Jahres“ (2009). Das mit dem Gemüse kommt daher, dass die Wegwarte früher lange als Medikament oder Nahrungsmittel genutzt wurde.

Wurzelkaffee

Zum Beispiel wegen ihrer Wurzeln, die man trockenen, rösten und wie Kaffee aufbrühen kann. Da diese Variante früher deutlich preiswerter war als Bohnenkaffee, hieß dieser Kaffee auch Landkaffee oder – nach der Pflanze – Zichorienkaffee. Im 18. Jahrhundert gab es richtige Großproduktionen für Wegwarten-Wurzelmehl. Wer einen Kompromiss schließen wollte, mischte einfach den teuren Bohnenkaffee mit der günstigen Variante und trank „Muckefuck“.

Sagen über Sagen

Foto: J. Prinz

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Es gibt ja über viele Pflanzen Geschichten, Sagen oder Märchen. Aber mir ist kaum eine Pflanze begegnet, um die sich so viele verschiedene Varianten ranken. Der Blauen Wegwarte werden wirklich ziemlich viele Zaubereigenschaften unterstellt. Laut alten Überlieferungen, wirkt sie als Traumdeuterin, Beschützerin im Kampf oder Liebesbetörerin. Sie ist, je nach Sage, ein verzaubertes Burgfräulein oder die Zofe Fräuleins. Für mich ist die Blaue Wegwarte einfach ein schöner Farbklecks auf dem Weg zur Arbeit. Denn selbst wenn ich morgens sehr müde bin, brauche ich ihre Wurzeln nicht. Wir haben nämlich im Büro eine Kaffeemaschine.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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