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Natur und so

Warum klebt es unter der Linde?

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Ich gehe unter der Linde entlang und jeder Schritt auf dem Gehweg klingt, als würde man ein Pflaster abziehen. Der Boden klebt. Und wie. Ich bin nur froh, dass ich dort mein Fahrrad nicht abgestellt habe, denn dann würde jetzt ich ganz sicher festkleben. Dunkel erinnere ich mich, dass Karolin in ihrem Beitrag über die Winterlinde, den Baum des Jahres 2016, auch schon mal sowas erwähnt hat. Sie musste fast täglich das Auto waschen, weil das so klebrig war. Doch warum klebt es eigentlich so unter der Linde? Bleibt das jetzt etwa so?

Die gute Nachricht: nein, das bleibt nicht so. Das Klebezeug stammt nämlich von Blattläusen, die an den Linden sitzen und sie anpieksen. Doch von vorne.

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Blattläuse ernähren sich von Pflanzensaft. Sie haben einen feinen Saugrüssel, den sie in die Pflanze stechen, um von dort die Flüssigkeit zu bekommen, mit der die Pflanze verschiedene Nährstoffe transportiert: unter anderem Zucker. Und dieser Zucker ist es auch, der in den Ausscheidungen der Blattläuse nach unten fällt und alles klebrig macht. Heißt das jetzt, wenn ich den Gehweg ablecken würde, würde der süß schmecken? Theoretisch ja, aber ich will das trotzdem lieber nicht versuchen. Die wässige Ausscheidung der Blattläuse heißt Honigtau. Zur Blattlauszeit klebt sie überall an Blättern, Zweigen und eben dem Boden.

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Ist die Blattlauszeit vorbei, verschwindet allerdings auch der Honigtau. Was uns eher ärgert (Honigtau auf dem Autolack oder dem Fahrradsattel – iiih!), ist für viele Tiere übrigens toll. Fliegen, Bienen oder Wespen finden den Honigtau nämlich richtig lecker. Und Ameisen finden ihn sogar so toll, dass sie sich Blattläuse als Haustiere halten. Sie schützen sie vor dem Gefressenwerden und melken dafür den Honigtau ab.

Ich für meinen Teil, wechsele einfach die Straßenseite, solange die Linde klebt. Mal sehen, wie lange ich das noch machen muss.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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