Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Tigerschnegel: Die gute Nacktschnecke

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Foto: K. Küntzel

Foto: K. Küntzel

Zugegeben, Nacktschnecken haben nicht viele Freunde. Gärtner fürchten ihre rasante Vermehrung und Gefräßigkeit und die meisten anderen Menschen finden sie einfach nur eklig. Ich nehme mich da gar nicht aus, allerdings gibt es eine Ausnahme und die habe ich vor ein paar Tagen im Garten entdeckt.

Tiger-Look

Es gibt braune, rote und schwarze Nacktschnecken und getigerte. Wie das Aussehen, so der Name. Der Tigerschnegel (Limax maximus), auch Großer Schnegel oder Große Egelschnecke, hat schwarze Striche und Punkte auf einer hellbraunen bis hellgrauen Grundfarbe. Er wird 10 – 20 Zentimeter lang und ist nachts unterwegs. Kein Wunder, dass ich vorher noch nie einen gesehen habe. Die zwei Schnegel, die wir fanden, saßen unter der Komposter-Abdeckung, hatten es also schön dunkel. Genützt hat ihnen das erstmal nichts, denn zum Fotografieren brauchte ich sie im Hellen. Bis auf das Körpermuster sehen sie aus wie anderen Nacktschnecken auch. Was ist also so toll an dieser Art?

Schneckenfraß

Foto: K. Küntzel

Foto: K. Küntzel

Wie man von anderen Nacktschnecken weiß, schmecken sie nicht sonderlich gut und haben deshalb wenig Fressfeinde. Ob der Tigerschnegel besser mundet, weiß ich nicht, viel entscheidender ist, dass ihm der Geschmack der anderen Nacktschnecken nichts ausmacht. Er frisst ihre Gelege, überwältig Exemplare, die so groß sind wie er selbst und ist damit ein wahrer Nützling im Garten. Auch wenn das Tier bei mir nicht solche Begeisterungsstürme auslöst wie bei einigen Molluskenfreunden, die es als „ein Tier von unbestreitbarer Schönheit und Eleganz mit einem geradezu spektakulären Verhaltensrepertoire“ beschreiben – die Schnegel dürfen bleiben solange sie wollen.

Schleimfaden-Sex

Foto: K. Küntzel

Foto: K. Küntzel

Das spektakuläre Verhaltensrepertoire meint die Paarungsmethode der Schnegel. Sie drehen sich Kopf an Fuß umeinander und sondern dabei große Mengen zähen Schleims ab. Schließlich umschlingen sie sich fest und lassen sich an einem Schleimfaden von einem erhöhten Punkt ab, verwinden in luftiger Höhe ihre Penisse (Schnegel sind Zwitter) und tauschen das Sperma aus. Anschließend entwirren sie erst die Penisse und dann sich selbst. Einer lässt sich fallen, der andere klettert an dem Schleimseil nach oben und frisst es dabei auf. Bewundernswert akrobatisch und im Jahr 2005 Grund genug, den Tigerschnegel zum Weichtier des Jahres zu wählen.

Autorin: Karolin Küntzel

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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