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Alpendohlen: Bitte nicht füttern

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Foto: pixabay.com

Ich kriege Reisefotos aufs Handy geschickt. Und da man im Moment ja nirgendwo hinfahren kann, wo viele Menschen sind, stammen die Bilder von einem Berggipfel. Weit und breit nur Felsen … und auf dem Wanderstiefel bei der Rast: ein Vogel. Ich wundere mich, denn der wandernde Fotograf ist eindeutig keine Disney-Prinzessin. Wieso sitzt da also ein Vogel auf seinem Schuh? Dann sehe ich: der Vogel ist eine Alpendohle. Und der Wanderweg zum Gipfel ist wahrscheinlich an anderen Tagen etwas … touristischer. Dafür spricht zumindest die Zutraulichkeit der Vögel. Denn die werden offenbar von anderen Leuten häufiger mal gefüttert. Völlig unnötig natürlich, denn es sind ja Wildvögel.

Foto: pixabay.com

Alpendohlen gehören zu den Rabenvögeln. Wir hatten sie hier im Blog schon mal als Feinde der Murmeltiere, denn sie fangen sich ab und zu ein Jungtier. Eigentlich mögen sie aber lieber Insekten und kleine Wirbeltiere. Wenn es ums Essen geht, sind Alpendohlen sehr erfinderisch. Sie können Heuschrecken aus der Luft fangen, scheuen sich  nicht, menschliche Abfälle zu durchwühlen und sammeln so ziemlich alles ein, was an Beeren in der Gegend wächst. Ihre Schlauheit hat ihnen gezeigt, dass auch Touristen eine gute Nahrungsquelle sind, wenn man nur niedlich genug auf einem Schuh sitzt. (Klappt nicht immer: die Dohle vom Reisefoto auf meinem Handy ging leer aus.)

Foto: pixabay.com

Ein Schwarm Alpendohlen ist ziemlich laut, denn die Tiere kommunizieren mit Stimmfühlungslauten. Das sind Rufe, die eigentlich nur bedeuten sollen: „Seid ihr noch alle da? Ja? Wo denn genau?“ Wenn sich zwei Dohlen im Schwarm zum Brutpaar zusammenfinden, merkt man das daran, dass sie sich gegenseitig sehr auf die Pelle rücken. Der Fachmensch würde sagen: „Sie verringern ihre Individualdistanz.“

Falls ihr beim Wandern in den Bergen mal einen der auffälligen Vögel seht, erkennt ihr ihn nicht nur am schwarzen Federkleid, dem gelben Schnabel oder den roten Füßen. Auch die Fortbewegung ist typisch. Alpendohlen hüpfen oder rennen häufig. In der Luft vollführen sie wahre Kunststücke und manchmal kreisen sie auch einfach auf der Thermik. Genießt ruhig das Gefühl mit der Disney-Prinzessin, falls mal einer der Vögel auf eurem Schuh sitzt. Aber bitte nicht füttern!

Foto: T. Prinz

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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