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Eichhörnchen und die Suche nach der Nuss

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Foto: K. Küntzel

Foto: K. Küntzel

Vor ein paar Tagen hörte ich aus dem Walnussbaum ein schnarrendes Geräusch. Der Blick in das Blätterdach bestätigte mir, dass dort ein Eichhörnchen erst säuberlich die grüne Schale von der Nuss trennte und dann die harte Hülle annagte, um an den Kern zu kommen. Da der Baum dieses Jahr viel trägt, wird auch das Eichhörnchen viel wegtragen – ab ins Versteck.

Gut versteckt und schlecht gefunden

Vielleicht habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie das Eichhörnchen seine vielen vergrabenen Nüsse wiederfindet. Die verblüffende Antwort lautet: oft genug gar nicht. „Eichhörnchen verstecken eine Menge Nüsse und haben nicht den besten Orientierungssinn. Die vielen unterschiedlichen Verstecke können sie sich über die lange Zeit des Winters nicht merken. Wahrscheinlich suchen sie am ehesten an den Stellen, an denen sie auch bevorzugt ihre Nahrung verstecken: in Spalten und Ritzen von Bäumen, in der Erde, am Fuß von Bäumen, in Vogelnestern oder Höhlen. Zum Glück haben die kleinen Nager einen guten Geruchssinn, so dass sie einen Teil ihrer versteckten Beute „erschnuppern“ können. Alle Nüsse und Samen, die von ihnen nicht wieder gefunden werden, können keimen und austreiben und dienen so zusätzlich der Aufforstung der Wälder.

Scharren, stupsen, andrücken

Der Vorgang des Versteckens folgt einem festgelegten Ablauf. Das Eichhörnchen scharrt mit den Vorderpfoten ein kleines Loch, legt die Nuss hinein, stupst sie mit der Nase fest, scharrt wieder Erde darüber und drückt sie fest an. Dieses rituelle Verhalten ist angeboren und konnte auch bei Eichhörnchen beobachtet und nachgewiesen werden, die ohne Kontakt zu Eltern und Artgenossen aufwuchsen. Angeboren sind ihnen auch das Drehen der Nuss und das Nagen daran. Wie allerdings die Nuss dann letztendlich zu öffnen ist, und an welcher Stelle sie dafür knabbern müssen, lernen sie durch häufiges Probieren und viele Versuche.“ Aus: Karolin Küntzel, Warum die Dinge sind, wie sie sind, Compact Via Verlag, 2010

Hörnchen-Hilfe

Foto: K. Küntzel

Foto: K. Küntzel

Manchmal liegt es nicht nur am unzureichenden Gedächtnis der kleinen Baumbewohner, dass so viele Verstecke ungeöffnet bleiben und das Geheimnis ihres Inhalts bewahren. Ab und zu ist es schlicht und einfach ein Winter mit viel Schnee und Eis, der über einen längeren Zeitraum den Zugang verwehrt. Solltet ihr im Garten deshalb ein erfolgloses Eichhörnchen beobachten, ist es Zeit eine Futterstelle für den Nager einzurichten. Gerne genommen werden Walnüsse, Haselnüsse, Eicheln, Bucheckern und Samen von Kiefern, Fichten und Tannen. Schlau ist, wer sich davon bereits im Herbst, “eichhörnchen-like”, einen Vorrat anlegt. Schlauer ist, wer sich dann noch daran erinnert, wo er das Eichhörnchen-Futter gelagert hat.

 

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Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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