Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Gelber Schleim im Garten

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Foto: K. Küntzel

Von einem Tag auf den anderen war er da. Ein merkwürdig gelbleuchtender Fleck, der wuchs. Was, in aller Welt, ist das? Misstrauisch beäuge ich „das Ding“, bevor ich mich entschließe, einen Blogbeitrag darüber zu schreiben und meinen Spekulationen ein Ende zu setzen.

Wer nichts weiß, vermutet. Da nehme ich mich nicht aus. Zusammen mit Mann und Kind starre ich auf den schwefelig gelben Klecks im Beet. Sieht aus wie Schnodder direkt aus der Hölle. Ein Farbton zwischen Cadmium- und Neongelb. Nicht gesund! Bei genauerem Hinsehen wird ein Geflecht sichtbar, eine Struktur, die an Fäden und Verbindungen erinnert. Ein Pilz?

Die gelbe Lohblüte

Foto: Norbert Nagel, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Foto: Norbert Nagel, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das Ding“ hat einen Namen. Es heißt gelbe Lohblüte (Fuligo septica) und gehört zu den Schleimpilzen. Er besteht aus einer einzigen Zelle, dem Plasmodium. In ihm bewegen sich Milliarden von Zellkernen hin und her. Seine Form ist unregelmäßig und kissenförmig. Häufig sind weißliche, glänzende Kriechspuren zu sehen. So informiert mich das Lexikon. Hilfe, das Ding kann kriechen! Da muss ich wohl gleich noch einmal gucken gehen. Entwarnung! Der Fleck hat sich seit gestern zwar verändert, ist aber nicht wirklich weit gekommen. „Mein“ Schleimpilz scheint also schon sein ortsgebundenes Stadium erreicht zu haben. Ab jetzt bildet er Fruchtkörper aus, aus denen die Sporen entstehen. Das heißt nichts anderes, als dass er sich darauf vorbereitet, sich zu vermehren. Na prima!

Gut zu Fuß

Foto: I, Jörg Hempel, www.wikimedia.org

Foto: I, Jörg Hempel, www.wikimedia.org

Bleibt die Frage: Wie läuft ein Pilz? Auf Füßen? So ähnlich. Er bildet sogenannte Scheinfüßchen, die Pseudopodien. Sie können ausgestülpt und wieder eingezogen werden. Auf ihnen bewegt sich der Pilz fort und hinterlässt dabei die bereits erwähnte schneckenähnliche Schleimspur.

Schlauer Schleimpilz

Nur, weil es sich selbstständig fortbewegen kann, würde aber noch niemand auf die Idee kommen, dass er es mit einem intelligenten Wesen zu tun hat, oder? Aber genau das ist der Fall. Japanische Wissenschaftler bescheinigten der gelben Lohblüte eine gewisse, primitive Intelligenz. In einem Versuch wiesen sie nach, dass sich der Schleimpilz, angespornt von einem Häufchen Nahrung, zielsicher auf der kürzesten Strecke durch ein Labyrinth bewegte. Das muss man erstmal nachmachen. Der Artikel dazu kann hier nachgelesen werden: http://www.heise.de/tp/artikel/8/8813/1.html

Foto: gemeinfrei, www.wikimedia.org

Foto: gemeinfrei, www.wikimedia.org

Hexenbutter und Mondkacke

Auch früher war den Menschen der komische gelbe Pilz, der meistens im Wald wuchs und seinen Standort wechseln konnte, nicht ganz geheuer. Sie nannten ihn deshalb auch Hexenbutter. In England wird er als Gerber- oder Schwefelblüte betitelt. Allerdings hat man dort auch drastischere Namen für ihn: Schleimiges Rührei (scrambled egg slime) und Hundekotze (dog vomit slime). Klingt nicht nach der großen Liebe zwischen Mensch und Pilz.

Aber selbst in Mexiko, wo der Schleimpilz, der bei uns als ungenießbar gilt, gegrillt und gebraten auf den Tisch kommt, ist sein Name wenig schmeichelhaft. „Caca de Luna“, Mondkacke heißt dort das rührei-ähnliche Gericht. Na dann, guten Appetit!

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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