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Warum „blaue Flecken“ auch grün und gelb werden

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Foto: pixabay.com

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Wer mich kennt weiß, dass ich mich ständig irgendwo stoße. Schienbein am Couchtisch? Check. Ellbogen am Kühlschrank? Check. Großer Zeh am Bett? Check. Neulich bin ich im Klamottenladen gegen ein Regal gerannt. Das war peinlich und tat weh. Und die Quittung, ein blauer Fleck, hält sich seitdem auch hartnäckig. Wenigstens für einen Blogartikel ist er gut. Ich habe nämlich festgestellt: Mein blauer Fleck ist gar nicht blau!

Im Gegenteil: je älter er wird, desto weniger blau ist er. Erst war er rot-violett (daher wohl der Name „blauer“ Fleck), dann grün und mittlerweile ist er fies-gelb. Ich erzähle euch heute mal was biologisch dahinter steckt.

Foto: J. Prinz

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Blaue Flecken heißen auch Hämatome und entstehen, wenn Blutgefäße verletzt werden. Wer empfindlich ist, hört jetzt bitte mal kurz weg. In dem Moment, in dem ich mit dem Oberarm als Klamottenregal geknallt bin, sind unter der Haut ein paar Blutgefäße geplatzt. Nicht großflächig, aber doch so viel, dass ein wenig Blut ins umliegende Gewebe eindringen konnte. Dann sprang die Gerinnungspolizei des Körpers ein und hat den Schaden repariert. Das Blutgefäß wurde wieder dicht, aber das Blut blieb im Gewebe.

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Dort gehört es nicht hin und das merkt der Körper natürlich. Er schickt kleine Abbaueinheiten, die Enzyme, die – wie ein Bagger beim Hausabriss – für Ordnung sorgen sollen. Dass die Enzyme arbeiten, kann man von außen sehen. Zunächst schimmerte bei meinem blauen Fleck noch der rote Blutfarbstoff Hämoglobin durch die Haut. Deshalb die rot-violette Farbe.

Ein paar Tage später haben die Enzyme einen Teil dieses Blutfarbstoffs abgebaut. Sie zersetzen das Hämoglobin und zerlegen es in Einzelbausteine, die der Körper leichter abtransportieren kann. Ein halbzerlegtes Hämoglobin heißt „Biliverdin“ und ist grün. Ein fast ganz zerlegtes Hämoglobin heißt „Bilirubin“ und ist gelb. Beide Farben scheinen durch die Haut hindurch und verleihen dem „blauen Fleck“ seine verschiedenen Farben.

Den Abtransport der zersetzten Stoffe kann man mitverfolgen: Der Fleck schrumpft und wird blasser. Nach etwa drei Wochen ist er verschwunden. In dieser Phase bin ich aber noch nicht. Meiner ist noch gelb. Vielleicht beherzige ich beim nächsten Mal den Kältetrick: Wer sich stößt und sofort kühlt, kann einen blauen Fleck mindern. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und es kann nicht so viel Blut auslaufen. Möglicherweise würde es aber ganz einfach reichen, etwas besser aufzupassen. Kann ja nicht so schwer sein.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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