Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Kalt, kälter, Windchill

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Foto: pixabay.com

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Wir waren am Wochenende Skilaufen. Bei Minus 15 Grad Celsius. Das war fies kalt, und weil auch noch ein bisschen Wind war, fühlte es sich gleich noch viel kälter an. Im Schlepplift und auf schnellen Abfahrten gefroren mir die Gesichtszüge und die Skistiefel. Am Ende des Tages waren die Dinger so hart, dass ich die Schnallen nicht mehr auf bekam. Die Hände – inzwischen zu Krallen verfroren – auch nicht. Seitdem kenne ich ein paar mehr Synonyme für „kalt“ und werde mich in Zukunft eher an der gefühlten als an der tatsächlich gemessenen Temperatur orientieren. Sie wird im Wetterbericht mit dem Namen „Windchill“ angegeben. Und was ist das?

Frostig, zapfig, eisig

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Windchill, im Deutschen auch als Windfrösteln bezeichnet, beschreibt den Unterschied zwischen der gemessenen und der bei Wind empfundenen Temperatur. Sind im Winter die Temperaturen niedrig und es weht auch noch eine steife Brise, erscheint es uns wesentlich kälter, als es in Wirklichkeit ist. Und der Blick auf das Thermometer bestätigt diesen Eindruck. In manchen Wettervorhersagen wird dann für die gefühlte Temperatur ein Wert angegeben, der sogenannte Windchill-Faktor. Doch wie wird dieser Wert ermittelt?

Der Wind beeinflusst unser Kälteempfinden, weil der Körper bei höherer Windgeschwindigkeit schneller auskühlt. Die warme Luftschicht, die uns normalerweise umgibt, wird weg gepustet und der Körper benötigt die vorhandene Energie, um die inneren Organe auf Betriebstemperatur zu halten. In der Folge werden die Extremitäten nicht mehr ausreichend mit Wärme versorgt, und im schlimmsten Fall kommt es zu Erfrierungen.

Der Fröstel-Faktor kann nicht mit einem Thermometer gemessen werden; er wird berechnet. Dabei werden die Lufttemperatur und die Windgeschwindigkeit zueinander in Beziehung gesetzt. Ist die Windgeschwindigkeit hoch, kühlt der Körper schneller aus. Die vollständige Formel dafür lautet:

Twc=33+(0,478+0,237*SQRT(vw)-0,0124*vw)(T-33).

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Alles klar? Nö? Dann mal der Reihe nach. Twc bezeichnet die Windchill-Temperatur, T die tatsächliche Temperatur, vw die Windgeschwindigkeit in Kilometer pro Stunde und SQRT die Quadratwurzel. So wird bei Windstärke 4 (also einer Windgeschwindigkeit von 20 bis 24 km/h) eine Temperatur von 0 Grad Celsius bereits wie -11 Grad Celsius empfunden. Nach der Formel beträgt die gefühlte Temperatur bei einer Außentemperatur von – 10 Grad Celsius und einer Windgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde bereits stolze – 30,7 Grad Celsius. Bei den Werten besteht schon die Gefahr von Erfrierungen.

Das glaube ich gerne. Seit letztem Wochenende weiß ich nämlich aus eigener Erfahrung, dass zwischen echtem Wind und Fahrtwind in Bezug auf den Nase-abfrier-Faktor kein Unterschied besteht. Wenn ihr also mal bei solch unterirdischen Temperaturen Ski oder Snowboard fahrt, geht es gemütlich an. Wer mit 60 Sachen ins Tal donnert, kann sich ernsthafte Frostschäden holen.

Autorin: Karolin Küntzel

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

2 Kommentare

  1. Willkommen im Club der Eisbären 😉
    Also ehrlich – ich fühl mich zurzeit so richtig „heimisch“. Wie in Montana oder Minnesota. Da sind Temperaturen von -30-40° durchaus normal. -10 haben wir dann eher als „Hitzewelle“ bezeichnet. Allerdings liegt es auch an der trockenen Kälte, die es leichter aushalten lässt. Windchill ist schon nicht so schön.
    Aber sonst versteh ich nicht die ganze Aufregung bei den Leuten. Ich empfinde feuchte +5° deutlich kälter als diese wunderbare Kälte. Voraussetzung ist allerdings, man hat die richtige Kleidung an und vor allem eine Mütze und warme Schuhe. Bei Wind hilft dann eine Gesichtsmaske. Aber Vorsicht. Damit keine Bank betreten.
    Ich konnte jetzt endlich mal wieder meine „Arktis-Ausrüstung“ auspacken.
    LG

    • Liebe Elli, ich musste so an dich denken und habe mir gedacht, dass du bei zweistellig Minus so richtig aufblühst. Ich mag trockene Kälte auch gerne und bis auf den Fahrtwind war es, solange man gut eingepackt war, auch gut zu ertragen.
      Arktische Grüße
      Karolin

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