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Meine Neuentdeckung des Monats: Der Weidenbohrer

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Auf der Rückreise von Usedom legten wir einen Stopp in der Nähe von Menzlin, einem mehr als verschlafenem Nest ein. Wir wollten dort noch eine kleine „Biber-und Wikingergräber-Wanderung“ unternehmen. Dabei sind wir auf eine riesige Raupe gestoßen. So eine hatte ich noch nie gesehen. Himmel, was für ein großes Insekt. Was ist das? Nun habe ich es herausgefunden.

Stöckchenbeißer

Die Raupe ist etwa zehn Zentimeter lang, auffallend rot und hat einem dunkelroten, fast schwarz wirkenden Streifen auf dem Rücken. Der Kopf- und Nackenbereich ist schwarz. Sie glänzt und wirkt mangels Härchen sehr nackt. Als wir auf sie stoßen, steckt sie zur Hälfte in einem Erdloch. Was macht sie da? Ich will mir das genauer anschauen, hole mir ein Stöckchen und hindere sie daran, weiter in dem Sandhaufen zu verschwinden. Das Tier hat erstaunliche Kräfte, beißt in das Stöckchen und ist auch noch flink. Denn als ich es absetze, macht es sich sofort wieder auf den Weg in Richtung Unterwelt, und gräbt sich dort vollends ein. Tschüss!

Der Weidenbohrer

Foto: H. Janz

Die Raupe lässt mir keine Ruhe und wieder zu Hause, mache ich mich an ihre Identifizierung und stoße … na klar, auf einen Schmetterling. Der Weidenbohrer (Cossus cossus) zählt zu den großen Faltern (Flügelspannweite bis zu acht Zentimeter). Er ist nachtaktiv, sodass man ihn eher selten zu Gesicht bekommt. Außerdem ist er gut getarnt. Seine graue Farbe, die mit feinen netzartigen schwarzen Strichen überzogen ist, erinnert an Baumrinde. Weiden, Erlen und Birken in Feuchtgebieten sind seine bevorzugten Bäume für die Eiablage.

Fressgänge

Die Raupen ernähren sich von dem Holz der Bäume. Zuerst leben sie unter der Rinde, mit der Zeit und fortschreitenden Häutungen bohren sie sich tiefer in das Holz. Kein Wunder, dass die Raupe so wild auf mein Stöckchen war. Lange Fressgänge legen sie dabei an und können den Baum dabei so stark schädigen, dass er abstirbt. Befallene Bäume, wie auch die älteren Raupen selbst, sollen übrigens deutlich nach Essig riechen. Aus eigener Erfahrung kann ich das nicht bestätigen. Vielleicht war ich nicht dicht genug und zu kurz in ihrer Nähe.

Puppenstube

Foto: K. Küntzel

Foto: K. Küntzel

Unsere Weidenbohrer-Raupe trafen wir nicht an einem Baum, sondern auf der Erde. Was hatte sie dort vor? Sie war auf dem Weg in ihre „Puppenstube“. Nach dem Larvenstadium verlassen die Raupen ihren Fressbaum und graben sich für ihre Verpuppung in die Erde ein. Und genau dabei haben wir sie entdeckt. Kein Wunder, dass sie so schnell wieder in die Erde wollte. Dort kann sie sich nun in Ruhe zu einem Falter entwickeln.

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

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