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Warum fressen die Vögel die Vogelbeeren nicht?

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Foto: J. Prinz

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Einer von den Bäumen auf dem Weg zur Arbeit ist gerade besonders hübsch. Er trägt knallrote Beeren, die in Kombination mit den grünen Blättern einfach toll aussehen. Grund genug, um morgens mal den Fotoapparat mitzuschleppen und ein paar Bilder zu machen. Der Baum, um den es geht, ist die Eberesche oder Vogelbeere. Doch warum sehe ich nie Vögel, die die Beeren fressen?

Der Baum heißt ja nicht umsonst „Vogel“beere. Den Namen hat er, weil er vielen Vögeln als Futterbaum dient und trotzdem frisst da gerade niemand was – sehr seltsam.

Foto: J. Prinz

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Dabei ist die Eberesche ein super Beerenspender. Sie kommt fast überall in Europa vor und ist so unempfindlich, dass sie so ziemlich jeden Boden besiedelt. Bei uns in Schleswig-Holstein wächst sie sogar in Knicks. Das sind gestrüppartige Windbrecher auf Feldern, die manchmal arg beansprucht werden. Ihre gefiederten Blätter sind sehr hübsch. Und dann sind da natürlich noch die roten Früchte.

Jetzt im August, ist die Eberesche mitten in der Reife und vielleicht habt ihr euch ja auch schon mal gewundert, dass Amseln, Singdrosseln und andere Vögel, den reichen Nahrungsschatz einfach am Baum hängen lassen.

Foto: pixabay.com

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Das liegt an einem Inhaltsstoff, der für die Vogelbeere typisch ist: Parasorbinsäure, die die Vogelbeere bitter macht. Alles Verschwendung also? Ganz und gar nicht! Sobald die Beeren den ersten Frost abbekommen, wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt und dann schmecken die Früchte süß.

Wir sind also schlicht zu früh dran. Spätestens nach den ersten Nachtfrösten im Herbst, werden sich nicht nur Vögel, sondern auch Insekten und Säugetiere auf die Vogelbeeren stürzen. Und vom Gefressenwerden hat die Eberesche auch noch was. Zwischen all dem Vogelkot und Vogelurin fallen auch die mitverdauten Samen zu Boden und der Baum wird verbreitet.

Foto: J. Prinz

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Wir Menschen können die Früchte der Eberesche übrigens auch essen, allerdings nur gekocht, zum Beispiel in Marmelade. Roh sind sie zwar nicht giftig, aber die Parasorbinsäure macht uns Magenschmerzen. Mir genügt der schöne Anblick jeden Morgen. Ich bin schon sehr gespannt, wann ich die ersten Vögel fressen sehe. Habt ihr auch einen Baum oder auf dem Weg zur Arbeit, den ihr besonders schön findet? Welcher ist das?

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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