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Natur und so

Nicht bewegen: Vögel im Schilf

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Foto: pixabay.com

Seid ihr mal an einem Seeufer mit Schilf entlang gegangen? Je nachdem wo man gerade ist, kann das schon mal wie ein riesiges Meer aus hohen Halmen aussehen. Was da wohl drin ist? Bestimmt viele Vögel. Wer häufger draußen unterwegs ist, hat zumindest einen auffälligen Vogel schon mal am Teich gesehen: der Graureiher steht häufig unbeweglich im Wasser und guckt. Der guckt so lange, bis man ihm zu nahe kommt er er genervt abhebt. Manchmal haben wir ihn bis dahin sogar total übersehen. Genau wie der Graureiher steht auch die Rohrdommel unbeweglich am Wasser. Beide Vögel haben ab und zu das Motto “Nicht bewegen!” – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Darum geht es heute.

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Wenn der Graureiher am Wasser steht, sieht er häufig aus, als würde er auf etwas warten. Selbst Spazierende mit viel Geduld sehen ihn selten irgenwas … machen. Dieses starre Verhalten hat beim Graureiher einen großen Vorteil, denn je länger er steht, desto unsichtbarer wird er. Zumindest für Fische. Klar, dass der Vogel sich deshalb nicht bewegt: Er jagt – auch wenn es nicht so aussieht. Der lange Schnabel wirkt wie ein Speer, wenn der Reiher schließlich einen Fisch anpeilt und zustößt. Auf einmal wird aus dem ruhigen Flussufer ein Jagdgrund. Die Fische wissen gar nicht wie ihnen geschieht, so schnell geht das. “Nicht bewegen” sorgt also dafür, dass der Graureiher etwas zu fressen hat.

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Etwas anders sieht es bei der Rohrdommel aus. Auch sie gehört zu den Reihern, ist aber viel kleiner als ihr großer grauer Verwandter. Wir sehen sie nur selten, weil sie nachtaktiv ist. Doch auch tagsüber stolpert man fast nie über eine ruhende Rohrdommel – oder doch? Genau wie der Reiher nutzt auch die Rohrdommel das “Nicht bewegen!”-Motto, allerdings eher dann, wenn Gefahr droht. Dann hebt die Rohrdommel ihren spitzen Schnabel, streckt ihn gerade über den Kopf und erstarrt. Da sie sich häufig im Schilf aufhält, verschmilzt das Federmuster auf ihrer Brust mit den Schilfhalmen der Umgebung. Sie wird unsichtbar. Bei der Rohrdommel sorgt “Nicht bewegen” also dafür, dass sie nicht gefressen wird.

Komisch oder, wie die Natur ein ähnliches Verhalten bei zwei Verwandten hervorbringt, nur mit anderem Zweck? Und jetzt raus mit euch an den See!

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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