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Natur und so

Unterwegs als Museumspädagogin

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Foto: pixabay.com

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Ich bin Museumspädagogin und zwar richtig gerne. Tontöpfe kann ich zwar nicht erklären, aber in Natur-Sachen bin ich ganz gut. Ich lasse meine Gruppen gerne mitreden, auch wenn das Gespräch dann manchmal in seltsame Ecken abdriftet. Heute erzähle ich euch, wie das aussehen kann, wenn man mit Jungerwachsenen losgeht.

Es ist früher Abend, jede normale Schulklasse hat seit Stunden frei. Die zwölf Schüler, die heute da sind, gehören aber zum Biologie-Leistungskurs eines Abendgymnasiums. Die haben nachher noch zwei Stunden Latein und sollen vorher von mir was über Parasiten hören. Besser ich bin heute nicht langweilig!

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Parasiten sind das Thema der Sonderausstellung, die unser Museum gerade zeigt. Sie ist erst vor einigen Wochen eingetroffen und bricht jetzt schon alle Besucherrekorde. Das ist aber auch echt eklig! Flöhe, Zecken oder Bettwanzen will natürlich keiner zu Hause haben, aber wenn man sie sich im Museum angucken kann – warum nicht?

An einer Vitrine zum Thema Fortpflanzungsstrategien bleiben wir stehen. „Was ist überhaupt eine Fortpflanzungsstrategie?“, frage ich und sofort geht das Gekicher los. „Der Samstagabend in der Disco gehört dazu“, sagt eine Stimme in der letzten Reihe. Noch mehr Gekicher.

„Genau“, sage ich. „Stellt Euch vor, es ist Samstagabend und ein Mann kommt in die Disco. An der Bar steht eine Frau im kurzen Rock und auch sonst recht luftiger Kleidung. Was sieht er jetzt – rein biologisch gedacht?“ Die Gruppe amüsiert sich. Jemand empfängt einen Rippenstoß von seiner Nachbarin, weil er offensichtlich etwas nicht sehr Sachliches sagen wollte.

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Dann holt ein Teilnehmer tief Luft und referiert mit erhobenem Zeigefinger: „Er sieht in ihr die Mutter seiner zukünftigen Kinder.“ Wir sind beeindruckt. Er klingt wie ein Moderator im Wissenschaftsfernsehen und erntet Schulterklopfen und übertriebene Anerkennung.

In Windeseile entbrennt eine Diskussion über Diskotheken und biologische Schlüsselreize von Männern und Frauen, die tatsächlich bei den Fortpflanzungsstrategien verschiedener Parasitenarten endet. Puh, Kurve gekriegt!

Als die Gruppe das Museum verlässt, hatten alle ihren Spaß. Die Anekdote darüber was Diskotheken mit Parasiten zu tun haben erreicht jedenfalls mindestens den Parallelkurs. Wann wart ihr eigentlich zuletzt in einem Museum?

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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