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Natur und so

Wie giftig sind Zigarettenkippen?

| 3 Kommentare

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Foto: Pixabay

Mal ehrlich. Können wir uns bitte darauf einigen, dass Zigarettenkippen nicht auf die Straße gehören? Ich schmeiße ja auch nicht mein Schokoladenpapier einfach irgendwo hin. Das ist unhöflich. Zigarettenkippen landen noch dazu häufig im Gulli. Das macht es nicht besser, Liebe Raucher, denn Kippen sind giftig.

Ganz recht, heute geht es um Zigaretten. Dazu hat ja jeder seine eigene Meinung, aber bevor sich jemand auf den Schlips getreten fühlt: es geht nicht um „Raucher“ oder „Nichtraucher“, sondern um einen rein wissenschaftlichen Blick auf total unemotionale Zahlenwerte. Dinge also, über die ich hier berichten kann, ohne gleich allen zu erzählen wie schädlich das Rauchen ist wie meine eigene Meinung zu dem Thema aussieht. Ein Blick auf die Überreste des Rauchens lohnt sich allemal. Und die sieht man, in Form von Zigarettenstummeln, überall rumliegen.

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Foto: J. Prinz

Zigarettenstummel auf der Straße
Woher kommt das eigentlich, dass so viele Raucher ihre aufgerauchten Zigaretten einfach auf die Straße schmeißen? Ich frage aus ehrlichem Interesse. Wenn wir Leute sehen, die ihr Schokoriegel-Papier im hohen Bogen auf den Gehweg werfen, zucken wir zusammen. Oder wenn der Nachbar an Silvester gute achtundsiebzig Kilo Raketen in die Luft jagt und man am nächsten Morgen durch die meterhohen Reste waten muss, dann finden das weder Raucher noch Nichtraucher gut. Aber die Zigarettenkippe auf die Straße zu schmeißen ist „normal“. Ist da vielleicht der Hintergedanke „Das zerfällt schon von alleine“? Denn so einfach ist das leider nicht.

Foto: Pixabay

Zigarettenkippen ins Aquarium?
Zigarettenstummel zersetzen sich nicht, deshalb dürfen sie zum Beispiel nicht in die Biotonne. Aber sind sie auch giftig? Bei der Zigarette wissen wir, dass die nicht gesund ist, schließlich steht es da auf der Packung. Aber was ist mit dem Filter, der nach dem Rauchen übrigbleibt? Würdet ihr den bei eurem besten Kumpel ins sauteure Meerwasser-Riff-Aquarium schmeißen? Nein? Wieso nicht? Ach, da könnten die Fische sterben? Da habt ihr wohl Recht.

Zigarettenkippen ins Aquarium!
Heutzutage wird ja fast alles wissenschaftlich untersucht, auch die Frage, was in einer Kippe steckt. Forscher aus San Diego wollten wissen, wie giftig der Filter einer aufgerauchten Zigarette denn nun wirklich ist und welche Auswirkungen Zigarettenreste auf Fische haben. Also haben sie verglichen und untersuchten:

– Filter von gerauchten Zigaretten mit einem Stück Resttabak
– Filter von gerauchten Zigaretten ohne Resttabak
– Filter von ungerauchten Zigaretten ohne Tabak.

Die jeweiligen Proben wurden für 24 Stunden zum Einweichen in ein Becken mit Wasser geworfen. Dann wurden sie entfernt und ein paar Test-Fische wurden eingesetzt. Möchte mal jemand raten, was rausgekommen ist? Genau: Wasser, in dem vorher eine Kippe eingeweicht wurde, ist giftig für Fische. Ein Zigarettenstummel mit Tabakrest pro Liter reicht aus, um das große Sterben zu veranlassen.

Gerauchte Filter mit Tabakresten sind dabei giftiger als solche ohne Tabak, das lässt sich leicht nachvollziehen. Womit aber irgendwie keiner richtig gerechnet hatte, war, dass selbst ungerauchte Filter auf Wasserorganismen giftig wirken. (Nicht auf Fische, um ehrlich zu sein, aber auf Wasserflöhe.) Offenbar sind die Zusatzstoffe in Papier und Filter auch nicht ohne. Und hier ist noch nicht mal Zigarettenrauch durchgegangen. Wer’s nicht glaubt und nochmal nachlesen will, findet die Studie hier: http://tobaccocontrol.bmj.com/content/20/Suppl_1/i25.full.pdf+html

Foto: Pixabay

Wohin also mit den Zigarettenkippen?
Rund 4,5 Billionen Kippen werden jedes Jahr achtlos weggeworfen. In Seen, ins Meer und in Rinnsteine durch die Regenwasser fließt. Oder in Pfützen, von denen das Wasser dann in den Boden sickert. Ganz offensichtlich ist das keine gute Idee. Wohin aber mit den Kippen, wenn unterwegs kein Aschenbecher in Sicht ist? Ausdrücken und mitnehmen wäre eine Möglichkeit. Oder sich einen Taschen-Aschenbecher kaufen. Jawohl, sowas gibt es.

Gibt es Raucher unter den Lesern? Wie handhabt ihr das? Hat vielleicht schon jemand so einen Taschen-Aschenbecher?

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

3 Kommentare

  1. Hallo,

    wenn man dann noch die Verweildauer der Kippen im öffentlichen Raum betrachtet, potentieren sich wahrscheinlich die giftigen Auswirkungen.
    Lt. Heft Nr. 5/2014 „Meer & Küste – Deutsche Ostsee“ der EUCC, vertreten durch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung, Warnemünde, haben Zigarettenkippen an Stränden eine Verweildauer von 1 bis 5 Jahre. Nur der guten Ordnung halber, Plastikflaschen „leben“ rund 450 Jahre.

    VG
    Uwe

    • Man darf gar nicht drüber nachdenken. Zur enthaltenen Schadstoffmenge kommt eben immer noch der rein „materielle“ Müll hinzu.

      Viele Grüße
      Johanna Prinz

  2. Ich denke die naheliegendste Antwort betrifft sowohl Raucher als auch Nichtraucher. Wir Menschen leben nicht im Einklang mit der Natur. Wir beuten sie bis zum bitteren Ende aus. Sei es aus Profitgier oder aus absoluter Phlegmatigkeit. Ganz Passend finde ich die Aussage von Agent Smith in dem Film Matrix. Wir Menschen verhalten uns nicht wie Säugetiere sondern eher wie Viren (Sinngemäß wiedergegeben – kein Zitat)
    Schön zu wissen, daß ihr versucht dem durch solche Artikel entgegen zu wirken.

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