Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Wieso färben sich die Blätter bunt?

| Keine Kommentare

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Jetzt ist es soweit. Die grünen Blätter der Laubbäume färben sich gelb, rot oder braun. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Herbst Einzug hält. Zeit, rauszugehen, mit den Füßen durch das Laub zu rascheln und die Farbenpracht zu bewundern. Wie kommen die verschiedenen Farben zustande?

Dreierlei Farbstoffe

Blätter besitzen mehrere Blattfarbstoffe. Der Wichtigste unter ihnen ist das grüne Chlorophyll. Bereitet sich der Baum im Herbst auf seine Ruhepause im Winter vor, zieht er das Chlorophyll und die daran gebundenen Nährstoffe aus den Blättern zurück in den Stamm und die Wurzeln. Dort bunkert er sie bis zum Frühjahr. Ist das Grün verschwunden, kommt Gelb zum Vorschein, das vorher durch das Grün überlagert wurde.

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Die Farben Gelb und Orange werden durch Karotinoide hervorgerufen. Dieses Farbpigment ist nicht nur in Blättern, ihr findet es auch in Möhren oder Kürbissen. Für die rote Farbe sind Anthocyane verantwortlich. Sie sind nicht wie die gelben Farbpigmente bereits in den Blättern vorhanden, der Baum bildet sie erst im Herbst. Und das lässt Wissenschaftler bis heute rätseln.

Farbe als Filter und Abwehrstrategie

Bevor die Blätter sterben, werden manche eben rot, dachte man früher. Eine zusätzliche Funktion sah man in der Färbung lange Zeit nicht. Das ist inzwischen anders. Die Wissenschaftler Martin Schaefer (Universität Freiburg) und David Wilkinson (Liverpool John Moores University) fanden heraus, dass die rote Farbe den Baum vor schädlichen UV-Strahlen schützt. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie bei einer Sonnenschutzcreme mit UV-Filter.

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Außerdem entdeckte Martin Schaefer, dass ein Baum mit hoher Anthocyane-Konzentration auch eine große Menge an giftigen Substanzen aufweist. Rot signalisiert möglichen Schädlingen somit Gefahr und steht sichtbar für die guten Abwehrkräfte des Baumes.

Blattläuse als Versuchskaninchen

Ebenso interessant finde ich, dass die rote Färbung anscheinend auch zur Abschreckung von Blattläusen dient. Der Baum wehrt sich mit seiner Blattfärbung gegen Schädlinge. Diese These stellte erstmals der Evolutionsbiologe William Hamilton auf. Überprüft wurde sie inzwischen von mehreren Forschern, die Versuche mit Blattläusen unternahmen. Und siehe da: Die kleinen Krabbler meiden die roten Blätter.

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Gelb finden sie dagegen ganz anziehend. Produzieren die Blätter roten Farbstoff demnach, um die gelbe Färbung zu „verstecken“ und damit weniger Blattläuse anzuziehen? Davon geht jedenfalls Thomas Döring (Londoner Imperial College) nach seinen Farbversuchen mit Blattläusen aus. Das letzte Wort ist bei der Erforschung der Blattfärbung sicher noch nicht gesprochen und weitere Versuche werden folgen. Das wird mich aber nicht davon abhalten, einen Spaziergang durch den Herbstwald zu unternehmen und die Farbenpracht zu genießen. Einfach so!

Print Friendly

Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Letzte Artikel von Karolin Küntzel (Alle anzeigen)

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.