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Wo werden Affenbabys getragen?

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Kapuzineraffe Jungtier

Foto: J. Prinz

Achtung, heute lernt ihr ein Fremdwort: Brachiation! Das kommt vom lateinischen Wort „brachius“ – das bedeutet „der Arm“. Und Brachiation ist bloß ein schlaueres Wort für „am Arm hängen“. Was das mit Affenbabys zu tun hat? Nichts eigentlich, oder zumindest nur entfernt. Ich wollte bloß klugscheißen. Nervt doch mal die Leute um euch herum, indem ihr aus heiterem Himmel sagt: „Ich hätte mal wieder Lust auf Brachiation.“ Seid euch aber sicher, dass es nicht als Beleidigung rüberkommt, ja?

Aber im Ernst: die Brachiation hat natürlich doch was mit Affenbabys zu tun. Gibbons praktizieren das nämlich. Denn das Schwinghangeln, wie man die Brachiation noch nennt, ist die Methode der Wahl, wenn ein Gibbon sich fortbewegt. Und da kommen wir auch zu der Sache mit dem „Arm“.

Foto: pixabay.com

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Gibbons laufen nicht über Äste, sondern hangeln unter ihnen entlang. Ihr könnt das schon an den Händen der Tiere sehen: die sind sehr lang und schmal. Perfekt also, um sie oben über einen Ast zu legen und sich mit Schwung vorwärts zu hangeln. (Ich komme noch zu den Affenbabys, keine Sorge.) Bei den Kapuzineraffen sieht die Fortbewegung ganz anders aus. Sie laufen vierfüßig und können sehr weit hüpfen. Sie hängen auch schon mal von einem Ast herab, aber dafür benutzen sie nicht ihre Arme, sondern den Greifschwanz, der wie eine Art fünftes Bein funktioniert.

Und jetzt kommen wir zu den Affenbabys. Die beiden Fortbewegungsarten wirken sich nämlich darauf aus, wo diese von der Mutter getragen werden. Die Bauchseite ist natürlich erstmal eine gute Wahl, denn dort kann auch mal eben mit einem schnellen Griff kontrolliert werden, ob alles ok ist. Durch die hangelnde Fortbewegung ist bei den Gibbons der Bauch auch frei und die Jungtiere klammern sich dort im Fell fest.

Kapuzineraffe Tragling

Foto: J. Prinz

Beim Kapuzineraffen geht das nicht. Durch den Vierfüßlerlauf, ist am Bauch einfach nicht genug Platz. Deshalb lagern die Mütter die Kleinen sozusagen aus: auf den Rücken. In den ersten Lebenstagen sind die Babys echt winzig klein. Aber sie sind auch superstark. Der Greifreflex sagt ihnen: FESTHALTEN! Und das tun sie auch. Sie klammern sich am Rückenfell der Mutter fest und es ist völlig egal, ob die dann über Stock und Stein hüpft. Die Kleinen sitzen fest. Ihr seht: Die Fortbewegung wirkt sich auf das Trageverhalten aus. Das Fremdwort war bloß Bonus und falls es euch beruhigt… „Brachiation“ kannte ich auch noch nicht.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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