Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Praktikantenjob: Tomatenfrösche ausgraben

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Foto: pixabay.com

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Vor Jahren, als ich noch Studentin war, habe ich ein Praktikum in einem großen deutschen Forschungsmuseum absolviert. Ich hatte mit lebenden Tieren zu tun, denn die Kollegen unterhielten eine Art Forschungsstation, in der exotische Frösche, Echsen und Schlangen untergebracht waren. Und wie das so ist mit Praktikanten, hatte mein Job sehr viel mit Saubermachen zu tun. Ich fand’s super, habe mich aber trotzdem gefreut, als es endlich was „richtiges“ zu tun gab.

„Könntest du bitte das Terrarium in der Ecke ausräumen“, sagt die Kollegin und zeigt auf einen ziemlich großen Glaskasten. „Wohnt da noch wer?“, frage ich zaghaft, denn man kann ja nie wissen.

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Ich erfahre: In den Terrarium, dass ich von Schlamm und Pflanzen befreien soll, leben zur Zeit vier Tomatenfrösche. „Kann sein, dass sie sich eingegraben haben“, sagt die Kollegin und stellt mir einen Extra-Eimer hin – für die Frösche, wenn ich sie denn finde. Die Arbeit ist echt…dreckig. Ich entferne vorsichtig alle Pflanzen („die kann man ja noch brauchen“), schaufele Erde und Steine beiseite und passe auf, dass ich mich nicht zu grob bewege. Wegen der Frösche.

Als ich fast am Grund des Terrariums angekommen bin und noch immer keinen Frosch gefunden habe, macht sich eine gemeine Vermutung breit. Die haben mich reingelegt! Das ist hier bestimmt so ein Praktikantenjob, bei dem die Neue erst mal was richtig Doofes machen muss, so wie Dreck schaufeln. Tomatenfrösche, dass ich nicht lache! Doch dann bewegt sich etwas im Schlamm und mir bleibt der Mund offen stehen: Tomatenfrösche gibt es wirklich! Und sie sind riesengroß. Zumindest größer als ich dachte. Das ganze Tier hat gerade eben auf meinem Handteller Platz.

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Tomatenfrösche, lerne ich später, stammen von Madagaskar und sind nachtaktiv. Kein Wunder also, dass diese hier mich verschlafen anblinzeln. Sie verbringen den Tag eingegraben im Boden und gehen erst im Dunkeln auf die Jagd. Ihr Name stammt von der roten Farbe ihrer Haut. Wunderschön!

Tatsächlich finde ich in den Ecken des Terrariums genau vier Frösche. Bestimmt mögen sie mich nicht, weil ich sie so unsanft geweckt habe, doch zum Glück hat die Kollegin ihnen schon eine neue Unterkunft vorbereitet, in der sie es sich bequem machen können. „Super, dass du sie alle gefunden hast“, sagt sie, „das kann manchmal etwas schwierig sein.“

Ich gucke auf das leere Terrarium, nicke und habe gelernt: Die Natur ist skurril. Sogar Tomatenfrösche gibt es in echt. Welche coolen Tiere sind euch schon begegnet?

 

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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