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Das Hühnerei riecht nach Fisch! Wieso?

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Foto: pixabay.com

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Ich hatte alles so schön geplant! Für die lange Autofahrt lag ein gekochtes Ei im Handschuhfach und als wir ungefähr drei Minuten gefahren waren und ich Hunger bekam, war kein Gequengel nötig. Doch gerade als ich herzhaft in das gepellte Ei hineinbeißen wollte, fiel mir auf: Das Ei stinkt. Und noch schlimmer: Mein gekochtes Ei riecht nach Fisch. Bin ich jetzt verrückt? Überempfindlich? Oder ist einfach das Ei schlecht? Weder noch!

Es gibt tatsächlich so ein Phänomen, dass frisch gekaufte Hühnereier beim Aufschlagen oder nach dem Kochen einen fischigen Geruch verströmen. Manche Leute bemerken das vielleicht nicht, oder es stört sie nicht, doch die meisten Menschen finden das total unangenehm.

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Gerade bei rohen Eiern sind wir ja alle so darauf geimpft, aufzupassen. Es könnte ja schlecht sein und wir krank werden. Doch an so einem Hühnerei kann tatsächlich etwas Unangenehmes dran sein, ohne dass gleich das ganze Ei schlecht ist. Karolin hatte ja mal berichtet, wie es sich mit dem grünen Rand gekochter Eier verhält.

Doch wie ist das jetzt mit dem Ei und dem Geruch? Warum riecht mein gekochtes Hühnerei nach Fisch? Die Lösung liegt nicht im Ei, sondern im Huhn. Hühner, die braune Eier legen, haben nämlich manchmal einen Genfehler. Der ist den Hühnern egal und sie würden vermutlich auch nicht finden, dass es ein „Fehler“ ist, aber für uns Menschen ist die besondere Genetik einiger Hühner eher doof.

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Unsere Legehennen nehmen mit dem Futter verschiedene Stoffe auf und wandeln sie im Körper um. Dabei helfen ihnen Bakterien im Darm, die aus verschiedenen Substanzen auch das stinkige TMA herstellen. TMA ist die Abkürzung für TriMethylAmin und normalerweise würden wir da gar nicht drüber reden, denn die meisten Hühner wandeln TMA gleich weiter um – in TMA-Oxid, das nicht stinkt.

Es gibt allerdings ein paar Hühner, denen ein Enzym in der Leber fehlt, das für den Umbau von „Stoff mit Fischgeruch“ in „Stoff ohne Fischgeruch“ gebraucht wird. Sie können es zwar nicht herstellen, leben aber ganz gut damit. Das fischig riechende Trimethylamin schieden sie nämlich ganz einfach wieder aus. Es verlässt den Körper zum Beispiel in einem frisch gelegten Ei – und landet dann manchmal bei uns auf dem Teller.

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Wer ganz sicher gehen will, dass er kein „Fischei“ bekommt, kann einfach weiße Eier kaufen, denn der Gendefekt kommt bei Hühnern, die weiße Eier legen nicht vor. Doch auch bei den braunen Eiern kann die Sache durchaus gut ausgehen in der Mehrzahl der Fälle riechen die Eier nämlich nicht nach Fisch. Betroffen sind nur die wenigsten Eier.

Wer also ein Hühnerei mit Fischgeruch findet, hat eigentlich „Glück“ gehabt. Mir war das egal. Ich habe auf das stinkende Ei verzichtet und einfach den letzten Schokoriegel gegessen.

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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