Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Die gestreifte Fliege ist gar keine Fliege

| Keine Kommentare

Foto: J. Prinz

„Die Fliege nervt!“ Die Kollegin und ich sitzen an einem schleswig-holsteinischen Badesee und tun so, als würden wir arbeiten. „Ich habe schon zwei Absätze geschrieben“, sagt sie. „Können wir jetzt aufhören?“ Ich arbeite gerade sowieso nicht, denn ich bin damit beschäftigt, ein sehr hübsches, aber auch furchtbar aufdringliches Insekt abzuwehren. Die Fliege nervt. Aber allein aus professioneller Neugier will ich trotzdem gerne wissen, wie sie heißt. Ich bemühe das Internet und lerne: eine Fliege ist es nicht. Und das Internet weiß auch, warum dieses Vieh so hartnäckig ist. Es will an mein Blut! Au weia.

 

Foto: J. Prinz

Die Fliege ist eine Bremse

Von wegen Fliege! Das schwarz-gelb gestreifte Tier, das mich umschwirrt ist eine Goldaugenbremse! Sofort bin ich Zimperliese in Alarmbereitschaft. Hübsch oder nicht: Bremsen sind fies.

Die verfolgen einen wirklich so lange, bis sie sich irgendwo auf die Haut setzen können und schlagen dann zu. Bremsen wollen unser Blut, aber anders als Mücken haben sie keinen Stechrüssel, sondern beißen eine richtige Wunde in die Haut. Das tut weh und der gerinnungshemmende Speichel der Bremse sorgt dafür, dass relativ lange Blut fließt.

Foto: J. Prinz

Sie kann ja nichts dafür

Das Tier am Badesee ist ein Bremsenweibchen, das vermutlich hier irgendwo seine Eier ablegen will. Die Männchen der Goldaugenbremse haben es um diese Jahreszeit eindeutig leichter: sie suchen sich einfach Blütennektar – fertig. Die Weibchen hingegen müssen einen Wirt finden, von dem sie Blut saugen können. Ohne die Blutmahlzeit können sich ihre Eier nämlich nicht richtig entwickeln.

Die Bremse kann also gar nichts dafür, dass sie so aufdringlich ist. Aus ihrer Sicht gesehen, muss sie das sogar. Ich finde trotzdem, dass sie nervt. Auch wenn sie keine Fliege ist. Ein paar Fotos mache ich noch, aber dann ziehe ich mitsamt dem Laptop um. An der neuen Stelle geht offenbar keine Bremse auf die Jagd. Und ich kann weiter so tun, als würde ich arbeiten.

 

 

Print Friendly

Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

Letzte Artikel von Johanna Prinz (Alle anzeigen)

Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.