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Echt groß: Poitou-Esel

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Foto: pixabay.com

Meinen ersten Poitou-Esel habe ich als Kind in einem Zoo gesehen. Und auf den ersten Blick war mir gar nicht klar, was für ein Tier ich da gerade vor mir habe. So groß wie ein Pferd, aber mit viel zu langen Ohren – und eigentlich eindeutig ein Esel, nur … viel zu wollig. Ein Blick auf das Schild am Zaun verriet mir dann: da steht ein Poitou-Esel. So hübsch! Doch natürlich steckte auch noch mehr dahinter. Das Tier vor mir war nicht nur besonders fellig und ansehnlich, sondern auch noch besonders selten. Viel seltener als die Esel, die man sonst so findet. Auch heute noch, finde ich den Poitou-Esel total spannend. Und deshalb erzähle ich euch hier etwas über ihn.

 

Foto: pixabay.com

Der Grund, warum mir der Poitou-Esel zuerst so wenig „eselhaft“ vorkam, ist seine vergleichsweise große Größe, gepaart mit sehr viel Fell. Poitou-Esel werden zwischen 135 und 150 cm hoch. Damit gehören sie zu den Großeselrassen. Wann genau diese seltsame Züchtung entstanden ist, kann man heute nicht mehr genau nachvollziehen. Doch sie muss etwa im 10. Jahrhundert in Frankreich entstanden sein. (Ihr habt es erraten: im Gebiet „Poitou“.)

Die Tiere wurden zur Feldarbeit eingesetzt, aber auch, um sie mit sehr kräftigen Pferden zu kreuzen. Die Nachkommen von Poitou-Eseln und den riesigen Poitevin-Kaltblutpferden, ergaben nämlich ausgesprochen starke Maultiere: die Mule du Poitou. Diese waren besonders dazu geeignet, schwere Arbeiten zu verrichten – kein Wunder, bei zwei so stabilen Eltern.

 

Im Laufe der Jahrhunderte, ging der Poitou-Esel dann aber irgendwie verloren. Vermutlich waren er und seine Nachkommen auf den Feldern und als Lasttiere nicht mehr so gefragt. Im Jahr 1972 jedenfalls, gab es offiziell nur noch 25 Tiere. Überlegt euch das mal! Ein einziger Reitstall könnte heute vermutlich die damals weltweite Population unterbringen.

Eilige Zuchtprogramme und Einkreuzungen anderer Großesel, brachten bis heute zumindest einen Teilerfolg. Mittlerweile gibt es auf der Welt wieder etwa 1000 Tiere, die im Zuchtbuch eingetragen sind, etwa 200 davon leben in Deutschland. Spezielle Zuchtprogramme verfolgen die Nachzucht, aber machen wir uns nichts vor: richtig „reinrassig“ sind viele Esel, die heute als „Poitou“ bezeichnet werden, nicht mehr. Falls ihr also mal im Zoo oder einem Wildpark einen echten Vertreter dieser bedrohten Haustierrasse seht, könnt ihr euch wirklich glücklich schätzen.

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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