Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Eine Tasse voller Raupen

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Foto: J. Prinz

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„Und dann haben wir die kahlen Zweig einfach abgeschnitten und in den Müll geschmissen“, sagt die Kollegin am Mittagstisch, als sie sich über eine Raupeninvasion im Innenhof beschwert. „In den Müll?“, denke ich, „und wenn da jetzt noch Raupen dran sind?“ Ahnt jemand, was dann passiert ist?

Genau: Ich wühle die kahlen Zweige aus der Mülltonne und suche sie akribisch nach Raupen ab. Tatsächlich! Da sind noch welche. Unter dem Gekicher meiner Kolleginnen sortiere ich die letzten Blattspitzen mitsamt den Raupen in eine Kaffeetasse.

 

Foto: J. Prinz

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In Windeseile haben auch alle Raupen peinliche Namen und aus dem Keller erscheint wie von Zauberhand ein großes Einmachglas. Jetzt hätte sie aber ein schlechtes Gewissen, sagt die Kollegin und der Rest denkt jetzt vermutlich, ich spinne.

Zurück im Büro bestimme ich, was ich da eigentlich gerade gerettet habe und…du liebe Zeit. Aus den Raupen werden später nämlich nicht etwa wunderschöne Schmetterling, die durch die Gegend schweben und denen man gerne Notfallnahrung zubereitet, sondern…was anderes.

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Foto: J. Prinz

 

Die niedlichen Raupen , die im Büro-Innenhof alles kahl gefressen haben, werden vermutlich später mal Blattwespen. (Ich relativiere hier, weil ich es auch nicht ganz sicher weiß.) Sie heißen auch gar nicht Raupe, sondern Afterraupe – das ist offenbar die richtige Bezeichnung für die Larven der Blattwespe.

Ich kann mir nicht helfen und finde die süß, auch wenn sie eigentlich als Schädlinge verbucht sind.

 

Foto: J. Prinz

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Aber im Innenhof würden sie sofort alles kahl fressen, da können sie also nicht bleiben. Auch auf eine von Lübecks Wildblumenwiesen setze ich sie besser nicht. Ich bin mir aber sicher, dass ich auf dem Nachhauseweg irgendeine bewachsene Ecke finde, die nicht aussieht, wie ein Blumenbeet. Und da kommen sie dann hin – wenn sie bis dahin nicht abhauen, aus ihrem Einmachglas.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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