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Natur und so

Fliegenpilz: Wieso bringt ein Giftpilz Glück?

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Foto: pixabay.com

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Der Herbst ist Pilze-Sammel-Zeit und den einen oder anderen Pilzliebhaber treibt es nun mit einem Körbchen in das Unterholz. Dumm nur, wenn man sich nicht auskennt, so wie ich. Mit Sicherheit erkenne ich nur sechs Pilzarten: Die Marone, den Steinpilz, die Krause Glucke, den Pfifferling, die Stinkmorchel und den Fliegenpilz. Er ist einer der geläufigsten Pilze, mit Sicherheit aber der bekannteste Giftpilz. Und warum soll ausgerechnet er Glück bringen?

Nicht anfassen, aber anziehen

Foto: pixabay.com

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Kindern wird von klein auf verboten, den fröhlich roten Pilz mit den weißen Tupfen anzufassen. Klar, der ist giftig, deshalb ist es gesünder, die Finger von ihm zu lassen. Anziehen darf der Nachwuchs dagegen Kleidung, die mit dem „Männlein“ geschmückt ist, oder Täschchen tragen und aus Tässchen trinken, auf denen der Pilz prangt. Die Schlümpfe wohnen in einem Fliegenpilzhaus und zum neuen Jahr gibt es Fliegenpilze aus Marzipan, die bedenkenlos verspeist werden können. Wie passt das alles zusammen?

Glücksdroge

Foto: K. Küntzel

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Der Fliegenpilz diente früher unter anderem als Fliegengift (siehe Johannas Blogeintrag zu Pilznamen). Der in Milch eingelegte Pilz wirkte wie k.o.-Tropfen auf die lästigen Insekten und setzte sie soweit schachmatt, dass sie mit der Fliegenklatsche mühelos erlegt werden konnten. Nicht ganz fair, aber wirkungsvoll. Auf Menschen hatte und hat er, entsprechend zubereitet, eine rauschhafte Wirkung. Halluzinationen, Raserei, Schmerzunempfindlichkeit, Euphorie und Glücksrausch werden als Folgen des Konsums beschrieben. Zu den berichteten Wahrnehmungsveränderungen zählt auch, dass Kleines plötzlich ganz groß erscheint, ähnlich wie in „Alice im Wunderland“. Es ist nicht belegt, wird aber mitunter vermutet, dass das Märchen von Alice das Ergebnis eines Pilzrausches war.

Sagenhafter Fliegenpilz

Foto: pixabay.com

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Viele Völker nutzten das Gift des Fliegenpilzes für rituelle Zeremonien und als Droge. Im Rausch suchten sie Kontakt zu ihren Ahnen. Im Mittelalter soll der Fliegenpilz außerdem Bestandteil der Flugsalben der Hexen gewesen sein und der Sage nach schossen Fliegenpilze dort aus dem Boden, wo den Pferden des Wotan Schaum aus dem Maul tropfte und die Erde berührte. Ein Göttergeschenk, aber deshalb auch ein Glück?

Glücksbringer

Warum ausgerechnet der Fliegenpilz zum Glücksbringer geworden ist, lässt sich nicht ganz genau sagen. Eine Vermutung ist, dass es mit dem glückshaften Rausch zu tun hat, den sein Gift auslösen soll. Ausprobieren will ich das mit Sicherheit nicht und halte mich lieber an die „Finger-weg-Warnung“ meiner Eltern. Glaubt man Pilzkennern, ist allein die Sichtung eines Fliegenpilzes ein Glücksfall, denn in seiner Nähe wachsen häufig auch schmackhafte Pilze wie Steinpilz, Birkenpilz und Rotkappe.

Hinweis: Die Texte und Fotos in diesem Blog dürfen nicht als Referenz für Pilzbestimmungen genutzt werden. Auch als Grundlage für das Sammeln wilder Pilze oder das Abschätzen ihrer Essbarkeit sind sie nicht geeignet. Es wird zudem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser Beitrag keine Aufforderung darstellt, Pilze (welcher Art auch immer) als Rauschmittel zu verwenden.

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Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

Autor: Karolin Küntzel

Jahrgang 1963, ist freiberufliche Autorin, Dozentin und Kommunikationstrainerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Weiterbildungsmanagement in Berlin und war lange Zeit in der freien Wirtschaft tätig. Seit 2006 ist sie selbstständig, unterrichtet und schreibt Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Ihre Wissbegier hat sie quasi zum Beruf gemacht. Sie lebte mehrere Jahre alleine in einem Haus im Wald, mehrere Wochen mit einer kleinen Crew auf einem Schiff auf dem Atlantik und bezeichnet sich selbst als überzeugte Rausgängerin. Sie sieht gerne unter Steinen nach. Mehr Infos unter: www.karibuch.de

3 Kommentare

  1. Den kann man ruhig mal essen. Solange es nur 1 bis 2 Exemplare sind, braucht man sich für gewöhnlich nicht um seine Zurechnungsfähigkeit sorgen.

  2. Unverständlich bleibt mir, wieso trotz des eindeutig hervorgehobenen Hinweises „Es wird zudem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser Beitrag keine Aufforderung darstellt, Pilze (welcher Art auch immer) als Rauschmittel zu verwenden.“ dieser weiterhin als Glückspilz bezeichnet wird.

    Die Tatsache, dass irgendwann einmal ein paar Sonderlinge ein Glücksempfinden nach dem Genuß des Fliegenpilzes hatten, erklärt meines Erachtens in keiner Weise, dass dieser Pilz auch von der überwiegenden, vernünftigen Bevölkerung als Glückspilz bezeichnet wurde. Zumindest gibt es hierüber keine Belege.

    Als Pilzkenner kann ich Ihnen versichern, dass auch das zweite Argument, dass „allein die Sichtung eines Fliegenpilzes ein Glücksfall sei, denn in seiner Nähe wachsen häufig auch schmackhafte Pilze wie Steinpilz, Birkenpilz und Rotkappe“ absurd ist. Ich hatte niemals in meinem Leben gezielt nach Fliegenpilzen Ausschau gehalten, in der Annahme, dort eßbare Pilze vorzufinden. Meine Pilzsuche hat sich nach ganz anderen Merkmalen orientiert, die ich jetzt hier nicht alle ausführen möchte, die aber in den meisten, guten Pilzbüchern nachzulesen sind.

    Ich halte es aus genannten Gründen nicht für sinnvoll, den Fliegenpilz weiterhin als etwas zu bezeichnen, was er definitiv nicht ist und auch nie war. In unserer heutigen, weitestgehend aufgeklärten Zeit ist es unverantwortlich für etwas zu werben, das nachweislich die Gesundheit schädigt. Nicht umsonst wurde auch für Tabakgenuß ein Werbeverbot eingeführt.

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