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Käferflügel mit Klappanleitung

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Foto: pixabay.com

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Gestern in einem fremden Büro: Mitten in die Stille und das Tastaturgeklapper, mischt sich ein schepperndes Geräusch und ab und zu knallt irgendwas Großes gegen die Deckenlampe. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das „Riesenvieh“ als Marienkäfer, der sich von der Helligkeit angezogen fühlt. Moment, denke ich, Marienkäfer sind doch winzig. Warum wirkt dieser dann so groß, wenn er fliegt? Die Lösung des Rätsels liegt in seinen Flügeln!

Ein sitzender Marienkäfer erscheint klein, kompakt und kugelig. Die Punkte auf seinen Flügeln sagen uns, wie alt er ist… Nein, das ist natürlich Quatsch. Diesen Mythos über die Punkte der Marienkäfer hat Karolin ja schon vor langer Zeit zerstreut. Was ich sagen wollte war: Die Flügel des Käfers haben Punkte, Rillen oder schillernde Oberflächen – je nach Art.

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Käfer haben eine harte Außenhülle. Das Fachwort heißt „sklerotisiert“ und damit sind wir auch schon beim Grund dafür, dass der kleine Käfer beim Fliegen auf einmal größer wird. „Sklerotisiert“ bedeutet: die vorderen Flügel des Käfers sind verhärtet und dienen dem Schutz und nicht dem Flug. Die Vorderflügel sind es auch, die wir sehen, wenn wir einen Käfer betrachten – nicht nur beim Marienkäfer.

Um zu fliegen benutzt der Käfer aber sein zweites Paar Flügel: die Hinterflügel sitzen unter den verhärteten, bunten Deckflügeln und entfalten sich erst kurz vor dem Start. Der minikleine Käfer klappt auf einmal riesige Hautflügel aus und hebt mit einem brummenden Geräusch ab.

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Landet er wieder wäre es natürlich blöd, die hinteren Flügel über den Boden zu schleifen und deshalb verpackt er sie wieder unter den Vorderflügeln. Das ist, als wolle man einen von diesen kleinen Regenschirmen in die mitgelieferte Hülle verpacken. Habt ihr da auch immer das Gefühl, das kann gar nicht passen? Irgendwie geht es dann aber doch.

Genauso beim Käfer: Der hat eine exakte Klappanleitung für seine Hautflügel, mit denen er die empfindlichen Flughilfen wieder zusammenlegt. Beim nächsten Abflug geht das Geklappe von vorne los und er hebt ab.

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Wenn ihr mal die Hautflügel eines Marienkäfers sehen wollt, könnt ihr das ganz einfach haben. Versucht mal diesen Trick:

Lasst einen Marienkäfer über euren Finger bis zur Spitze krabbeln und haltet die Hand dann senkrecht und den Finger nach oben. Wenn der Käfer das Gefühl hat, dass es nicht weitergeht, wird er abheben. Ich gebe zu, im Moment ziehen sich die Käfer in ihre Herbstverstecke zurück, aber vielleicht findet ihr ja noch einen. Guckt mal in euren Fensterdichtungen!

 

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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