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Natur und so

Heimische Orchideen?

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Habt ihr auch alle so eine Baumarkt-Orchidee? Eine mit riesigen weißen oder pinken Blüten, bei der man sich irgendwie jedes Mal fragt, wie man sie wieder zum Blühen bringt, wenn sie einmal verwelkt ist? Viele Orchideen, die bei uns brav im Topf stehen, wachsen in ihren warmen Heimatländern auf Bäumen oder heften sich mit ihren Wurzeln an Stämmen fest. Da kann schon mal eine Gedankenkette in Gang kommen: Wachsen Orchideen auch auf normalen Wiesen? Wiesen wie bei uns ins Deutschland? Gibt es gar heimische Orchideen bei uns? Egal, ob auf Wiesen oder Bäumen … dieser Frage wollen wir heute mal nachgehen.

 

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Tatsächlich gibt es auch in Deutschland wildwachsende Orchideen. Und einige von ihnen haben sogar richtig auffällige Blüten, so dass man sie auch ohne große Vorkenntnisse als Orchidee einordnen könnte. Der Frauenschuh zum Beispiel hat bauchige Blüten, die nicht nur schön aussehen, sondern auch noch eine coole Funktion haben: Bienen, die auf der Suche nach süßem Nektar sind, verirren sich sozusagen in der Blüte. Um wieder heraus zu kommen, müssen sie sich ganz dicht am Blütenstaub vorbeizwängen, der dann in ihrem Pelz hängenbleibt. An der nächsten Frauenschuh-Blüte streifen sie ihn sehr gründlich ab, denn auch dort müssen sie erst in der Blüte herumrumoren, bis sie wieder raus kommen.

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Auch das Knabenkraut blüht sehr hübsch. Es wächst ganz gerne auf Böden, die wenig Stickstoff enthalten und seine Wurzel erinnert an eine Hand mit Fingern. Wahrscheinlich dachte man deshalb früher, dass die Pflanze mystische Fähigkeiten hätte. Die „Hand“ des Knabenkrauts sollte Heilkräfte besitzen, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt (und von der richtigen Pflanze) einsetzte. Das Knabenkraut bildet winzig kleine Samen, die mehrere Kilometer mit dem Wind reisen können, bevor sie irgendwo zu Boden sinken – der dann hoffentlich stickstoffarm ist.

 

Etwas Interessantes gibt es noch zu unseren heimischen Orchideen zu sagen: manche von ihnen leben in Symbiose mit Wurzelpilzen. Diese Pflanzen-Pilz-Freundschaft geht so weit, dass Orchideen ohne ihren Pilzpartner zum Teil gar nicht richtig wachsen können. Und das, wo unsere heimischen Orchideen zum Teil super-heikel-selten sind! Solltet ihr mal eine finden: bitte nicht ausgraben! Orchideen wachsen bei uns nur auf ganz speziellen Böden, teilweise nur mit ganz speziellen Pilzen und sind auf eine bestimmte Umgebung angewiesen. Einige produzieren zum Beispiel gar keinen eigenen Nektar und können nur deshalb Bienen anlocken, weil sie neben bestimmten anderen Blüten wachsen. Deshalb gilt: Finger weg von heimischen Orchideen!

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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