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Natur und so

Im Museum entdeckt: der Dodo

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Foto: J. Prinz

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In unserer Oster-Blog-Pause war ich in London. Und natürlich wollte ich unbedingt ins Naturhistorische Museum. Was war ich doch naiv! Kaum angekommen, fanden wir uns in einer ellenlangen Schlange wieder, denn offenbar wollten über Ostern alle ins Museum. Wenn man bedenkt, dass ich da vorher schon mindestens fünfmal war, hätte ich diesen Besuch ruhig auslassen können. Aber wo wir nun schon mal da waren…naja. Zum Glück sind wir geblieben, denn in all dem Gewühl, habe ich ein tolles Blogthema gefunden: den Dodo.

Glaubt man dem Verkäufer von Museumsführern am Eingang, wollten an diesem Tag 25.000 Leute ins Museum. Es war so voll, dass wir automatisch jede „bekanntere“ Ausstellung vermieden haben. Säugetiere? Nö. Das Darwin-Center? Da gibt es keine Abzweigungen! Dinosaurier? Du lieber Himmel! Stattdessen war der Plan: Wir suchen die langweiligste Ausstellung des Museums. Die müsste ja dann auch die leerste sein.

Abgesehen von dem Frevel, die Worte „langweilig“ und „Naturkunde“ in einem Satz zu verwenden, sind wir tatsächlich fündig geworden: Am ruhigsten war es in der so genannten „Image Gallery“, der Bilder-Ausstellung. Und da war er: der Dodo!

Foto: J. Prinz

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Das riesige Bild stammt aus dem Jahr 1626 und zeigt eine Vogelart, die bereits um 1690 ausstarb. Der Dodo gehört, ähnlich wie auch der Riesenalk, zu den Tierarten, über die wir nur wenig wissen. Roelant Savery, der Maler des Bildes hatte zwar immer behauptet, er habe den Dodo nach lebenden Vorlagen gemalt, aber ganz sicher sind sich die Forscher da heute nicht mehr.

Das dumme an ausgestorbenen Tierarten ist, dass man mit dem vorlieb nehmen muss, was man noch zur Verfügung hat. Im Fall des Dodos sind das einige wenige Knochen, die auf Mauritius gefunden wurden.

Foto: J. Prinz

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Die erste wissenschaftliche Beschreibung des ausgestorbenen Vogels wurde einige Jahre nach seinem Aussterben angefertigt und das Ölgemälde war (gemeinsam mit einigen Knochen) die Grundlage dafür.

Heutige Forscher glauben, dass der Maler vielleicht nicht unbedingt lebende Tiere abgemalt hat. Einige meinen, er habe bloß konservierte Überreste zur Verfügung gehabt. Die Tatsache, dass der Dodo auf dem Bild eher plump erscheint, könnte aber auch bedeuten, dass ein Tier in Gefangenschaft gemalt wurde. Die waren nämlich, glaubt man Berichten, chronisch überfüttert und überfettet.

Foto: J. Prinz

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Moderne Vogelforscher haben die Knochenfunde von damals, mit neuen Funden zusammengefasst und ein aktuelleres Bild des Dodos entworfen. Sie glauben, der Vogel war in Wirklichkeit schlanker, hatte einen geraderen Hals und einen kleineren Kopf. Zum Vergleich haben sie das ursprüngliche Bild noch einmal neu gemalt.

Wie wenig wir über den ausgestorbenen Vogel wissen, hat mich wirklich beeindruckt. Im nächsten Blogbeitrag erzähle ich euch, was die Forschung bisher herausbekommen hat. Bis dahin: übt doch schon mal das Zeichnen von Tigern oder Nashörnern. In ein paar Jahren sind die vielleicht der neue Dodo…

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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