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Können Pferde kotzen?

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Wenn man ausdrücken möchte, dass etwas höchst unwahrscheinlich ist, aber eventuell doch passiert (obwohl man nicht daran glaubt), sagt man: „Naja, man hat ja auch schon Pferde kotzen sehen.“ Zumindest geht so das Sprichwort. Um herauszufinden, ob an dem Spruch etwas Wahres dran ist, schauen wir den Pferden heute mal ganz tief ins Maul. So tief sogar, dass wir sogar in ihrem Magen landen. Doch von vorne.

Pferde haben einen eher kleinen Magen, dafür aber eine ziemlich lange Speiseröhre. Je nachdem wie groß das Pferd ist, kann die Speiseröhre über einen Meter lang sein. Der Magen fasst bei großen Pferden grob 15 Liter.

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Was Pferde fressen, wird im Maul von den Backenzähnen zerrieben und rutscht dann durch die irre lange Speiseröhre nach unten. Überlegt euch das mal: Wie lang so ein Pferdehals ist, könnt ihr ja von außen sehen – also auch abschätzen, wie lang dort die Speiseröhre ist. Aber der Magen sitzt ja nicht direkt am Halsansatz in der Brust, sondern ein Stück tiefer. Da kann man sich mal ausrechnen, wie lang so eine Speiseröhre sein muss. Jedenfalls: Am Magen angekommen, rutscht der Nahrungsbrei durch den Mageneingang in den Magen.

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Ihr kennt das: Wenn euch schlecht wird, öffnet sich genau dieser Mageneingang und lässt Nahrung zurück in die Speiseröhre fließen: ihr übergebt euch. Das liegt daran, dass der Muskel, der den menschlichen Magen oben zuhält, sich lockern kann. Bei Pferd ist das anders. Auch der Mageneingang der Pferde wird von einem Muskel von der Speiseröhre getrennt. Dieser ist jedoch sehr kräftig und öffnet sich nur, um Nahrung in den Magen hineinzulassen – aber nicht für den Rückweg. Pferde können sich deshalb nicht übergeben.

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Und ja, bevor jetzt jemand Luft holt, um was zu sagen: Es gibt auch bei Pferden sehr seltene Fälle, in denen ein Krankheitsbild auftritt, dass die Öffnung des Muskels am Mageneingang erzwingt. Pferde, die etwas gefressen haben, das stark aufquillt, bekommen zum Beispiel ein Problem. Magenschmerzen natürlich. Aber in seltenen Fällen läuft dann eben doch mal flüssiger Nahrungsbrei zurück in Richtung Pferdekopf. Da der Rachen eines Pferdes aber anders geformt ist als der von uns Menschen, fließt der Brei nicht aus dem Maul, sondern aus den Nüstern heraus.

Also ja: Pferde kotzen fast nie. Aber wenn, dann durch die Nase.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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