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Natur und so

Von Kameras und gescheckten Amseln

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Foto: pixabay.com

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Ich hoffe, er liest das jetzt nicht, aber mein Bruder scheint Recht zu haben: ich brauche ein besseres Smartphone. Besser gesagt: mein Smartphone braucht eine bessere Kamera. Vielleicht brauche ich auch einfach eine bessere Kamera, damit ich die dann öfter mitnehme und nicht immer mit dem Handy fotografieren muss. Ihr wundert euch, worum es heute geht? Es geht nicht um Kameras. Es geht um gescheckte Amseln. Ich habe nämlich neulich auf dem Weg zur Arbeit eine gesehen. Und selbstverständlich hatte ich keine Kamera dabei. Der Vogel sah aber so skurril aus, dass ich unbedingt einen Blog-Beitrag daraus machen wollte.

Foto: J. Prinz

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Entsprechend verwaschen sieht jetzt eben das Foto aus: ein schwarz-weißer Fleck auf einer Wiese. Glaubt mir einfach mal, dass das eine Amsel mit weißen Flecken ist, ja? Normalerweise sind Amseln ja vollkommen schwarz. Wie kommt es also, dass diese hier auch weiße Federn hat? Wie so häufig in der Natur gibt es da mehrere mögliche Gründe. Vielleicht ist es ganz einfach und die Amsel hat während der letzten Mauser zu schlechte Nahrung abbekommen. Es könnte aber auch sein, dass schon im Ei die Ansatzstellen für einige Federn nicht richtig entwickelt waren und sie deshalb jetzt keine „richtigen“ Federn bilden. (Richtig sind bei Amseln Federn, die den schwarzen Farbstoff Melanin enthalten.)

Foto: pixabay.com

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Eine dritte Möglichkeit läge an der Genetik der Amsel. Keine Sorge, so kompliziert wie bei der Genetik des Schwarzen Panthers wird es diesmal nicht. Bei den Amseln ist es so: Weiße Tiere können entweder keinen schwarzen Farbstoff bilden, obwohl sie die entsprechenden Zellen hätten. Das heißt dann Albinismus. Oder sie haben erst gar keine der nötigen Zellen. So ist das bei der Amsel und heißt Leuzismus. Komplett weiße Amseln haben große Nachteile, weil sie viel mehr auffallen und schneller gefressen werden – oder weil sie, wenn sie auch noch rote Augen haben, schlecht sehen und deshalb gefressen werden. Bei der gescheckten Amseln könnte also eine unvollständige genetische Störung vorliegen (so eine Art halber Leuzismus) oder das Ergebnis von schlechter Ernährung. Heißt das jetzt, ich muss mir jetzt auch das Pro und Contra der ganzjährigen Vogelfütterung überlegen? Amseln und Kameras findet ihr übrigens hier:

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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