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Natur und so

Warum sind Rehgruppen im Sommer kleiner?

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Foto: pixabay.com

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Gerade habe ich das Manuskript für ein neues Buch abgegeben. „Das Reh“ erscheint erst nächstes Jahr, aber ich habe beim Schreiben etwas so Spannendes gelernt, dass ich das gleich mal mit euch teilen will. Rehe bilden, erfuhr ich bei der Recherche, im Winter große Gruppen. Im Sommer eher kleinere. Warum ist das so, fragte ich mich.

Ist das nicht ungünstig? Wenn die Rehe gerade im Winter so viele sind, wenn es so wenig zu fressen gibt? Und jetzt im Sommer, wenn es überall sprießt, verteilen sie sich? Es könnte sein, dass die Rehe im Sommer einfach mehr streiten, besagt eine Theorie.

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Möglicherweise ist es so: Im Sommer, wenn es viel zu fressen gibt und der Energienachschub nicht weit ist, können es sich die Rehe leisten, auch mal unangenehm zu werden und Artgenossen zu verscheuchen. Vor allem Rehmütter, die gerade ein Kitz bekommen haben, möchten mit ihm eine ganze Weile allein sein. Nicht, dass sich das Kleine während der Prägungsphase noch die falsche Mutter merkt! Ansonsten sieht man sie um diese Jahreszeit in Kleingruppen.

Doch im Winter ist das Nahrungsangebot so knapp, dass alle Rehe Energie sparen müssen. Da wird alles abgestellt, was zu viel Kraft kostet. Und offenbar gehört das ruppige Verscheuchen dazu.

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Das Verteidigen der wenigen Nahrung wäre für alle offenbar so kraftraubend, dass keiner was davon hätte. Die einen müssten scheuchen, die anderen wegrennen. Doof für alle. Die Rehe werden im Winter also einfach verträglicher und können dann mehr Exemplare ihrer Artgenossen in der Nähe tolerieren. Und wer weiß, vielleicht gucken die sich ja auch noch von ihren Nachbarn ab, wo es was zu Fressen gibt.

Wenn es Sommer wird, lösen sich die Wintergruppen jedenfalls auf und es bleiben wieder kleine Grüppchen übrig. Ich werde hoffentlich daran denken, wie die Rehe das machen, wenn ich das nächste Mal an einem überfüllten Buffet oder so hängenbleibe. Da möchte man ja auch oft einfach mal jemanden wegscheuchen. Notiz an mich: doof für alle.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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