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Natur und so

Der Seidenschwanz in der Vogelbeere

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Foto: pixabay.com

Der Silvester-Urlaub ist vorbei und ich bin auf dem Rückweg nach Hause. An einer roten Ampel muss ich anhalten und plötzlich schwirrt etwas am Auto vorbei: ein Vogelschwarm. „Komische Farbe“, denke ich noch, als sich die Tiere auch schon im nächsten Baum niederlassen – gleich neben der Ampel. Ich habe genug Zeit zu gucken und herauszufinden: das sind Seidenschwänze! Sie hüpfen im Baum herum und fressen eine Vogelbeere nach der anderen. (Der Beweis dafür, dass es dieses Jahr bereits Frost gab.) Als die Ampel grün wird, sind auch die Vögel fertig und heben gemeinsam ab. So aus der Nähe hatte ich die noch nie gesehen. Kein Wunder: die sind hier auch nicht oft.

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In manchen Jahren sieht man bei uns keinen einzigen Seidenschwanz. Doch wenn der Sommer in Nordskandinavien sehr erfolgreich war und die Tiere großen Bruterfolg hatten, kommt es schon mal vor, dass die sich fragen, ob im Winter eigentlich die Nahrung ausreicht. Kommen sie zu dem Schluss, dass man sich besser noch woanders umguckt, kann es sein, dass sie im Winter in unsere Breiten wandern. Wenn ihr euch also mal gefragt habt, so die Zugvögel eigentlich landen, wenn sie „in den Süden“ fliegen … der Seidenschwanz landet offenbar bei uns. (Aber nicht der Storch. Der landet nun wirklich „im Süden“: in Afrika nämlich.)

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Seidenschwänze haben einfach die schönsten Farben: ein helles Braun, das an einigen Stellen nahtlos in ein helles Grau übergeht. Im Kontrast dazu haben sie eine dunkle Zeichnung im Gesicht und an der Kehle, dazu bunte Flügelkanten mit gelben und roten Flecken. Und besonders hübsch: der hochstehende Federschopf. Dass die Vögel ausgerechnet auf der Eberesche gelandet sind, um dort die Vogelbeeren zu fressen, ist übrigens kein Zufall. Vogelbeeren, Hagebutten und Mistelfrüchte gehören nämlich zur bevorzugten Nahrung des Seidenschwanzes. Offenbar gibt es davon in Skandinavien gerade nicht genug.

Das Phänomen ist nicht neu: schon vor vielen Hundert Jahren war bekannt, dass von Zeit zu Zeit ganze Schwärme von Seidenschwänzen bei uns vorbeikommen. Weil das trotzdem nicht alltäglich ist und das plötzliche Einfallen der Vögel wie eine Invasion anmutet, nennt man Tiere wie den Seidenschwanz auch „Invasionsvögel“. Die Annahme, dass ihr Auftreten einen besonders strengen Winter ankündigt, ist übrigens Humbug. Falls ihr also dieses Jahr irgendwo ein paar der Vögel seht: freut euch! Wer weiß, wann sie wiederkommen.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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