Hallimasch & Mollymauk

Natur und so

Fluchende Papageien

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Foto: pixabay.com

Habt ihr neulich mal Radio gehört? Ich saß im Auto und hörte auf wirklich jedem Sender die Geschichte von den fluchenden Graupapageien. Das muss wohl in irgendeinem Presseverteiler gewesen sein. Jedenfalls ging die Geschichte ziemlich durch die Medien und immer wenn ich sie hörte, musste ich ein bisschen lachen. Falls ihr keine Ahnung habt, worüber ich gerade rede: ich erzähle euch die Geschichte noch mal. Und weil die eher kurz ist, erzähle ich auch noch ein bisschen über den Graupapagei. Denn der ist (wie viele Papageien) ziemlich interessant.

Die Geschichte aus dem Radio ging so: ein Tierpark in England hatte eine Gruppe Graupapageien auf genommen.

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Die Tiere wurden in derselben Voliere untergebracht, wo sie sich eifrig unterhielten. Leider müssen wohl ein paar der Tiere bei den Vorbesitzern gelernt haben, wie man die menschliche Sprache imitiert. (Vielleicht erinnert ihr euch an Karolins Artikel zu dem Thema?) Und was sie dort gelernt hatten, war nicht unbedingt nett: die Papageien fluchten und lachten und brachten sich gegenseitig die schlimmsten Schimpfwörter bei.

Kamen Besucher vorbei, durften sie sich von den Vögeln Beleidigungen und fiese Pöbeleien anhören. Es wurde so schlimm, dass der Tierpark beschloss, die ganze Bande in eine Voliere hinter den Kulissen zu verlegen.

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Der Grund: eine Kindergruppe hatte ihren Besuch angekündigt und vermutlich wollte niemand im Tierpark dafür verantwortlich sein, dass die Papageien den Kindern schlimme Wörter beibringen.

Die Geschichte zeigt aber mal wieder, wie gut die Sprachbegabung von Graupapageien ist. Da  die Tiere im Schwarm leben, ist es wichtig für sie, sich mit ihren Artgenossen auszutauschen. Sitzt ein Schwarm in einem Baum oder fliegt gemeinsam zum nächsten Ort, ist es wichtig, dass alle gut hören können. Deshalb sind Graupapageien sehr laut. Vögel, die in Gefangenschaft gelernt haben, menschliche Geräusche zu imitieren, können diese offenbar „weitertratschen“.

Nicht nur das Leben im Schwarm macht den Graupapagei zu einem schlechten Haustier. Man muss das schon sehr ernst meinen, wenn man unbedingt so einen  Papagei halten möchte. Er braucht nicht nur mindestens einen Artgenossen als Gesellschaft (besser mehr), sondern auch noch Unmengen an Platz. (Denkt nicht mal in die Richtung „Käfig“.) Nicht zu vergessen: er ist laut und kann mehr als 60 Jahre alt werden. Ich bin gespannt, ob man von den englischen Graupapageien nochmal was hört. Der letzte Stand war, dass man die Tiere einzeln in jeweils andere Gruppen setzt. Mich würde mal interessieren, ob die fluchenden Vögel jetzt wie geplant ruhiger werden – oder ob sie alle ihrem jeweiligen neuen Schwarm die schlimmen Wörter auch noch beibringen. Wahrscheinlich hören wir das dann im Radio.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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